Krise: Laues Lüftchen oder stürmische Zeiten?

Es scheint, als sei die letzten Monate nichts geschehen. Als hätte es nicht gekracht im Gebälk der kapitalistischen Ökonomie. Krise? War da nicht was? Der Alltag ist zurückgekehrt und nur noch hier und da finden sich Kommentare in den Medien oder vorsichtige Prognosen, dass es bald wieder aufwärts geht. Auch wenn man sich die Aktivitäten von ArbeiterInnen, sozialen Bewegungen und Gewerkschaften ansieht, könnte man meinen, alles sei halb so schlimm. So recht traut sich hierzulande keiner gegen die sozialen Folgen der Krise auf die Barrikaden zu gehen. Abwarten und Stillhalten ist angesagt. Die Gewerkschaften üben sich wiedermal im verbalen Luft ablassen und praktischen Anbiedern als Sozialpartner des Kapitals. Das Ganze geht soweit, dass die IG BCE nichts besseres zu tun hatte, als die französischen Continental-Kollegen vor einer gemeinsamen Demo in Hannover zu ermahnen, sich doch bitte an die „deutschen Gepflogenheiten und Regeln“ zu halten.

Was hierzuland als ernüchternde Feststellung daherkommt, dass allein eine Krise nicht zwangsläufig Widerstand hervorbringt, stellt sich südlich des Rheins anders dar. In Frankreich nimmt eine klassenkämpferische Praxis der ArbeiterInnen zu. Die Beschäftigten des insolventen Autozulieferers New Fabris in Châtellerault drohen, ihre Fabrik zu sprengen, wenn sie bis zum 31. Juli keine „angemessene“ Abfindungszahlungen zugesichert bekommen.

In der Fabrik des Zulieferers für Renault und PSA Peugeot Citroën befinden sich Autoteile im geschätzten Wert von zwei Millionen Euro und Maschinen im gleichen Wert. Neben dem sogenannten Bossnapping, bei dem Manager in den Fabriken festgehalten werden um die Verhandlungsbasis zu verbessern, haben die kämpferischen ArbeiterInnen damit erneut ihre Bereitschaft zu radikalen Methoden unter Beweis gestellt. Blockaden und Besetzungen von Fabriken, Bossnapping und militante Demos? Reaktionen auf die Krise, die hierzulande auf sich warten lassen.
Doch auch bei uns hält sich die bescheidene Hoffnung, dass es bald etwas heißer zugehen könnte. Fabrikschließungen, Lohnkürzungen und weiterer Sozialabbau stehen auch hier auf der Tagesordnung. Spätestens wenn nach der Bundestagswahl die Rechnung der Krise präsentiert wird und es zu erneuten Angriffen auf unsere Arbeits- und Lebensbedingungen kommt, könnte sich was bewegen. Mit den Auseinandersetzungen z.B. bei Opel oder dem möglichen Kita-Streik sind erste Anknüpfungspunkte vorhanden. Französische Verhältnisse lassen sich nicht herbeireden und sollten auch nicht allzu sehr romantisiert werden, aber es ist allemal angebracht, den längst eröffneten Klassenkampf in den nächsten Monaten aufzunehmen.

In der Zwischenzeit sollte die revolutionäre Linke tun, was sie immer tun sollte: Diskutieren, die eigene Praxis weiterentwickeln und sich auf kommende Auseinandersetzungen vorbereiten. Ein paar weiterführende Texte und interessante Anregungen gibt es hier:

Paolo Giussani: Des Kapitalismus neue Kleider (aus Wildcat 84)

Text des Revolutionären Aufbau Schweiz zur Invention einer antikapitalistischen Linken in Arbeitskämpfe

Bernd Riexinger (ver.di): Perspektiven des Protestes – Wie weiter nach den Demonstrationen in Frankfurt und Berlin?

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

Das könnte auch interessant sein...