Nehmen wir uns die Stadt!

Seit einigen Wochen erfährt Hamburgs Stadtentwicklung ungeahnte Aufmerksamkeit. Die besetzten Häuser im Gängeviertel, Proteste gegen BNQ in St. Pauli oder IKEA in Altona machen von sich reden. Eine Erklärung Hamburger Kulturschaffender wendet sich gegen die Vereinnahmung von Kultur als ökonomischer Standortfaktor (Not In Our Name, Marke Hamburg!). In vielen Stadtteilen entstehen lokale Initiativen, die die herrschende Stadtpolitik hinterfragen. Gemeinsam rufen sie als Netzwerk „Recht auf Stadt“ für den 18. Dezember zu einer Parade auf. Für Wilhelmsburg und die Veddel haben wir zusammen mit dem Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg (AKU) ein Flugblatt herausgegeben, welches sich auch mit der Situation auf den Elbinseln beschäftigt. Wir laden allen Menschen ein, sich mit uns an der Parade zu beteiligen und in der Vorbereitung einzubringen. Gegen die Stadt des Kapitals – für eine solidarische Stadt und Gesellschaft!

Kommt vorbei:
Gemeinsam Transparente, Schilder usw. vorbereiten:

Mittwoch – 16.12.2009 – 18 Uhr – Café uNmut
Veddeler Brückenstr. 162 (nähe S-Bahn Veddel)

Recht auf Stadt – Parade

Freitag – 18.12.2009 – 16:30 Uhr – Moorweide (gegenüber Dammtorbahnhof)
Treffpunkt für Veddel und Wilhelmsburg: 16 Uhr – S-Bahnstation Veddel

Aufruf vom AKU und uns zur Parade (als PDF:deutsch / türkisch):

Uns gehört die Stadt – wenn wir sie uns nehmen!

Das von Künstlern besetze Gängeviertel hat Hamburgs Stadtpolitik mal wieder in die Öffentlichkeit gerückt. Auch die Proteste gegen das Bernhard-Nocht-Quartier in St. Pauli, IKEA in Altona oder der Unmut von Bewohner_innen in Wilhelmsburg und auf der Veddel sorgen für Gesprächsstoff. Es sind Luxusapartments, Elbphilharmonie und teure Mega-Events auf der einen Seite. Andererseits sind es steigende Mieten, Verdrängung und Zerstörung bezahlbarer und selbstbestimmter Kultur, die viele Menschen wütend machen. Unter dem Namen „Recht auf Stadt  hat sich in Hamburg ein breites Netzwerk gegründet, das für die kommenden Monate vielfältige Proteste plant. Am 18. Dezember wird eine große Parade unter dem Titel „Gegen ein Unternehmen Hamburg! Für eine grundsätzlich andere – soziale und gerechte – Stadt“ stattfinden. Wir wollen mit möglichst vielen Menschen daran teilnehmen und auch die Situation in Wilhelmsburg und auf der Veddel zur Sprache bringen.

Jahrelang konnte man hier erfahren, was es heißt, wenn sich niemand für einen interessiert. Die Elbinseln, das waren die armen und heruntergekommen Viertel, die höchstens aufgrund ihrer Kriminalität Schlagzeilen machten. Plötzlich sprechen alle über die aufstrebenden Stadtteile im Süden. Was ist passiert? Die wachsende Stadt Hamburg hat die Stadtteile für sich entdeckt. Im Zuge der Internationalen Bauausstellung (IBA) und der Internationalen Gartenschau (igs) sollen sie nachhaltig umstrukturiert werden. Die beiden Großveranstaltungen bieten den finanziellen und logistischen Rahmen, um die Stadtteile umzukrempeln. Als Aufwertung wird das in der Sprache der Stadtplaner bezeichnet. Das meint allerdings nicht, das Wohnumfeld für die derzeitigen Bewohner_innen zu verbessern. Aufwerten meint, die Stadtteile attraktiv für besserverdienende und konsumstärkere Bewohner_innen zu machen. Um die Bevölkerungsstruktur schleichend zu verändern, werden gezielt Studenten und „junge Kreative“ angelockt. Ein Prozess der auch Gentrifizierung genannt wird und bereits heute spürbar ist. Im Reiherstiegviertel steigen die Mieten unaufhörlich, das sogenannte Weltquartier in der Weimarer Straße vergrößert (und verteuert) seine Wohnungen. Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung des Hamburger Mietspiegels Ende November erreichte viele Bewohner_innen eine erneute Mieterhöhung. Die Mieten sollen an die „Marktentwicklung“ angepasst werden, heisst es. Und auch zwei neue Autobahnen sind geplant, die Teile Wilhelmsburgs in eine Hauptverkehrsader der Stadt verwandeln. Gefragt wurde niemand, auch wenn die IBA immer wieder in Bürgerversammlungen den Anschein von Mitbestimmung wahrte. Mitbestimmen darf, wer keine grundsätzlichen Zweifel an der Stadtentwicklung hat.
Wenn eine Stadt wie ein Unternehmen geführt wird, heisst das nichts Gutes für seine Bewohner_innen. Hamburg ist so eine Stadt. Wo Menschen nur noch als Zahlen, Kostenfaktoren oder Einnahmequellen in Statistiken auftauchen, ist das Ende einer lebenswerten Stadt für Alle besiegelt. Übrig bleibt ein lokaler Wirtschaftsstandort, der sich allein um Arbeitskräfte und Kapital bemüht. Wollen wir wirklich in so einer Stadt leben? Wir sagen: Es reicht! Wir können uns die steigenden Mieten nicht mehr leisten. Wir haben keinen Bock weiter an die Stadtränder zu ziehen. Wir weigern uns als Manövriermasse des Standorts herzuhalten. Unsere Interessen und Bedürfnisse sind nicht die der Wirtschaftsmetropole Hamburg, die mit anderen Großstädten um Investoren, Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte konkurriert. Der Senat, die Wirtschaft und das Stadtmarketing sind sich einig, was aus der Stadt werden soll. Sie wissen, was die „Marke Hamburg“ auszeichnet. Stellt sich nur die Frage, ob wir uns das gefallen lassen wollen? Schließlich sind wir es, die hier leben.

Wir wollen ein gutes Leben für alle Menschen die hier wohnen möchten.
Die Stadt ist in Bewegung. Machen wir daraus eine Bewegung von unten!

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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