Klassen, Kämpfe und Organisierung

Während in den Medien im Bezug auf die Krise reichlich abstrakt von Staatsbankrotten und Eurostabilität die Rede ist, werden die Auswirkungen für Lohnabhängige immer spürbarer. Dass Staat und Unternehmen auch hierzulande mit weiterem Sozialkahlschlag die Kosten abwälzen werden ist eine ausgemachte Sache. Höchste Zeit also, sich mit Möglichkeiten und Grenzen linker Intervention in Klassenkämpfe zu beschäftigen. Mit einer Veranstaltungsreihe wollen wir über Widerstandsformen und Organisierungsansätze von betrieblichen Kämpfen und Erwerbslosenprotesten diskutieren und Erfahrungen austauschen.

Donnerstag – 27. Mai 2010 – 19 Uhr – Centro Sociale (Sternstr. 2)
Zwischen Schikanen und Widerstand – Erwerbslosenproteste gegen Hartz IV

Seit den Massendemonstrationen gegen Hartz IV, welche die Gesetze nicht verhindern konnten, scheint es still um die Erwerbslosenbewegung geworden zu sein. Verbessert hat sich bekanntlich nichts: Auch im April 2010 waren über 3,4 Millionen Menschen erwerbslos und damit den Schikanen beim Jobcenter sowie medialer Hetze ausgesetzt. Doch neue Aktionsformen wie der „Zahltag“ haben sich in vielen Städten etabliert. Um z.B. den Druck beim Weg zum Amt zu mindern, werden Erwerbslose solidarisch begleitet. Indem ein oder mehrere Personen des Vertrauens den zermürbenden Jobcenterbesuch mitgehen, konnten viele ihre Angst überwinden und offensiv ihre Rechte einfordern. Mit der Veranstaltung wollen wir Widerstandsmöglichkeiten aufzeigen, zum mit- und nachmachen anregen und den Blick auf neue Formen des Erwerbslosenprotestes richten.

Peter Nowak, Journalist und Herausgeber des Buches „Zahltag – Zwang und Widerstand: Erwerbslose in Hartz IV“, skizziert die Entwicklung des Widerstandes gegen Hartz IV und stellt Ansätze der Erwerbslosenorganisierung vor.


Donnerstag – 03. Juni 2010 – 19 Uhr – Centro Sociale (Sternstr. 2)
ArbeiterInnenwiderstand und linke Solidaritätsarbeit in der Schweiz

Die Schweiz gilt in der BRD als das Land des sozialen Friedens. Dass der Schein trügt verdeutlichen einige Arbeitskämpfe der letzten Zeit. Der Streik in den SBB-Werkstätten in Bellinzona, der breite Unterstützung in der Bevölkerung genoss und in Bern und Bellinzona Zehntausende auf die Straße brachte, ist ein Beispiel dafür. Auf Initiative des Streikkomitees gründete sich das „Netzwerk für eine kämpferische Bewegung der ArbeiterInnen“, das auch in andere Arbeitskämpfe intervenierte und für eine neue Gewerkschaftsbewegung eintrat. Aktuell finden in der Schweiz z.B. Arbeitskämpfe beim Basler Chemiekonzern Clariant statt, der mit der Schließung eines Produktionsstandorts, Entlassungen und Sozialkahlschlag das Unternehmen sanieren will. Bei Clariant beraten die ArbeiterInnen und Angestellten zurzeit, wie sie den Plänen des Managements entgegentreten können. Mit zahlreichen Solidaritätsaktionen linker Gruppen und Organisationen werden die KollegInnen in ihrem Kampf unterstützt. Die Möglichkeiten einer effektiven Unterstützungsarbeit bei Betriebskämpfen sollen Inhalt der Veranstaltung sein. Wir wollen diskutieren, wie die radikale Linke, die in der Regel von außen an Arbeitskämpfe herantritt, eine langfristige Strategie zum Aufbau betrieblicher Gegenmacht von unten entwickeln kann.

Ein Vertreter des Revolutionären Aufbau Schweiz berichtet von Erfahrungen bei der Unterstützung von Betriebskämpfen, dem Aufbau klassenkämpferischer Solidaritätsnetzwerke und Ansätzen zur Zusammenführung unterschiedlicher Kämpfe.


Mittwoch – 09. Juni 2010 – 19 Uhr – Centro Sociale (Sternstr. 2)
Krise der Gewerkschaften – Organizing als Ausweg?

In vielen Ländern verlieren die Gewerkschaften an Mitgliedern und Einfluss. Mit neuen Techniken der Organisierung, die überwiegend aus sozialen Bewegungen stammen, versuchen die Gewerkschaften eine Antwort auf ihre Krise zu finden. Besonders innerhalb der US-Gewerkschaftsbewegung ließen sich mit Hilfe des Organizing Erfolge erzielen.  Dabei wird an konkrete Bedingungen in Betrieben angesetzt, zielgerichtet Kontakte zu Beschäftigten hergestellt und deren Vertrauen gewonnen, wobei sich aus einem breit gefächerten Baukasten von Methoden bedient wird. Das Organizing bezeichnet eine Sammlung unterschiedlicher Strategien und Taktiken gewerkschaftlicher Politik und Kampagnenführung, die sowohl bei der erstmaligen Organisierung von Betrieben oder dem Ausbau betrieblicher Verankerung sowie z.B. bei tariflichen Auseinandersetzungen angewandt werden. Die Vorstellung was Organizing ist und welchen Zweck es erfüllen soll gehen jedoch auseinander. Die Spannbreite bewegt sich zwischen reiner Mitgliedergewinnung für den etablierten Gewerkschaftsapparat und der Stärkung von Basisorganisierung und Konfliktbereitschaft in Betrieben.

Peter Birke ist Historiker, arbeitet u.a. an der Universität Hamburg, diskutiert in der „Gruppe Blauer Montag“ sowie im stadtpolitischen Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg. Er hat Anfang Mai das Buch „Die große Wut und die kleinen Schritte –  Gewerkschaftliches Organizing zwischen Protest und Projekt“ veröffentlicht.

Ein weiterer Referent hat mehrere Organizing-Projekte begleitet und Arbeitskämpfe u.a. bei Lidl und im Reinigungsgewerbe unterstützt.

Der Flyer zu den Veranstaltungen: Flyer im pdf-Format

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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