Menge-Park für Alle!

„Wer arm ist, muss draußen bleiben?!“ war das Motto der Kundgebung am 17. Dezember 2011 am Menge-Park in Wilhelmsburg. Der Menge-Park wird im Zuge der Internationalen Gartenschau (IGS) umgestaltet und zu diesem Zweck eingezäunt. Nach Fertigstellung kostet der ehemals freizugängliche Park zwischen 17 und 21 Euro Eintritt. Die kommerzielle Nutzung eines früher  öffentlichen Geländes steht symbolisch für eine Stadtplanung, die vorbei an den Bedürfnissen der hier lebenden BewohnerInnen geht. An der Kundgebung der Initiative „Der Zaun muss weg!“ nahmen rund 120 Menschen teil, um ihre Wut auf die einseitige „Aufwertung“ Wilhelmsburgs und die kapitalistische Stadtentwicklung sichtbar zu machen.

Im Rahmen des hamburgweiten Aktionstages „Acess all areas – Gegen kapitalistische Stadtentwicklung und Gentrifizierung“ hatte sich eine Initiative aus stadtteilpolitisch aktiven linken Gruppen und Einzelpersonen zusammengetan und die Einzäunung und wirtschaftliche Nutzung des Menge-Parks thematisiert. Mit einer lokalen Mobilisierung in Wilhelmsburg, mit Flyern in Briefkästen und Plakaten in deutscher und türkischer Sprache, wurde die IGS und die gesamte Umstrukturierung des Stadtteils kritisiert. Das Thema traf offensichtlich einen Nerv und stoß im Stadtteil auf relativ breites Interesse. Bereits während der Mobilisierung entwickelten sich spannende Gespräche mit BewohnerInnen und die Lokalblättchen berichteten vergleichsweise groß über die geplante Aktion.

An der Kundgebung nahmen dann auch viele Menschen aus dem Stadtteil teil, unterstützt wurden sie von AktivistInnen aus ganz Hamburg, die den „mühseligen“ Weg nach Wilhelmsburg auf sich nahmen. Am Menge-Park wurden mehrere Transparente am Zaun befestigt, ein Infotisch aufgebaut und eine Tapete angebracht, auf der die Leute ihre Kritik an der Einzäunung des Parks und der Gentrifizierung zum Ausdruck brachten. Nach technischen Schwierigkeiten mit der Lautsprecheranlage wurde kurzfristig ein Megaphon organisiert. Verschiedene Redebeiträge hatten die „Aufwertung“ und Verdrängung einkommensschwacher BewohnerInnen im Stadtteil, aber auch in gesamt Hamburg, angesprochen. Andere Reden thematisierten den Zusammenhang zwischen dem ständigen Druck auf Löhne und steigenden Mieten. Um sich gegen die Angriffe auf unsere Lebensbedingungen wehren zu können, wurde auch die Notwendigkeit von Basisorganisierung im Stadtteil hervorgehoben. Dass es in einer Gesellschaft, die alles zur Ware macht und vermarktet, keine grundsätzliche Lösung der Probleme geben kann, zog sich durch fast alle Redebeiträge.

Nach etwa einer Stunden wurde die Kundgebung beendet und viele Menschen zogen weiter Richtung Innenstadt, wo sie an anderen Protesten im Rahmen des Aktionstages teilnahmen (siehe: www.florableibt.blogsport.de). Nach dem Verlassen des Ortes fehlten mehrere Meter des Zauns, den die abgestellten Securitys nur unzureichend bewachen konnten. Schließlich lassen Widersprüche sich nicht einzäunen und die Aneignung öffentlicher Räume als Ausdruck kollektiver Praxis ist ein Weg, das immer wieder zu zeigen.

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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