Streik bei PFLEGEN & WOHNEN

PLEGEN & WOHNEN ist eine Einrichtung für erwachsene Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf. Die Mitarbeiter der 13 Hamburger Pflegeeinrichtungen sind Anfang 2012 in den unbefristeten Streik getreten. Mit einem Erzwingungsstreik setzen sich die KollegInnen für höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und einen einheitlichen Tarifvertrag ein, damit erkämpfte Verbesserungen nicht nachträglich wieder rückgängig gemacht oder die Belegschaften durch individuelle Verträge gespalten werden können. Bei der Urabstimmung hatten sich 98 % der Gewerkschaftsmitglieder für den Arbeitskampf ausgesprochen. Der erste unbefristete Streik bei PFLEGEN & WOHNEN und im Hamburger Pflegebereich überhaupt. Die Unternehmensleitung zeigt sich bisher zu keinen Zugeständnissen bereit und verweigert weitere Verhandlungen.

Alles für den Gewinn – alles privatisieren…
Die Stadt Hamburg hat 2007 die ehemals städtische Pflegeeinrichtung verkauf. Sie wurde in die private „pflegen & wohnen Betriebs GmbH“ überführt, die von einem Konsortium der Berliner „Vitanas GmbH & Co. KGaA“ sowie der Hamburger „Unternehmensgruppe Andreas Franke“ getragen wird. Auf der Website der Andreas Franke Unternehmensgruppe heißt es: „Mit ihrem Namen bürgt die Familie Franke für eine hanseatische Kaufmannstradition, die sich dem Allgemeinwohl verpflichtet fühlt“ und „Persönliche Verantwortung und die Freiheit des Einzelnen stehen in der Unternehmensphilosophie höher als die schnell verdiente Rendite“. Solche Aussagen dürften in den Ohren der Beschäftigten von PFLEGEN & WOHNEN wie eine Farce klingen. Die Arbeitsbedingungen sind, insbesondere für Neueingestellte, miserabel und das Unternehmen weitestgehend Verhandlungsresistent. Das Ergebnis der Privatisierung 2007 war, dass der neue Träger im selben Jahr die Gehälter kürzte, angeblich weil die Auslastung der Einrichtungen zu gering sei.

Für Solidarität und Klassenkampf!
Die Streikenden richten sich darauf ein, den Arbeitskampf bis Mai weiterzuführen. Selbst wenn die Gewerkschaftsführung den Streik auf halber Strecke abwürgt, bleibt die Erfahrung der KollegInnen, sich für ihre Interessen eingesetzt und den Mut bewiesen zu haben, selbstständig aktiv zu werden. In Streiks entstehen Dynamiken, Erfahrungen und Hoffnungen, die Belegschaften über Jahre prägen und auf Dauer zu kämpferischen Standpunkten im Betrieb beitragen können – über den konkreten Arbeitskampf und den gewerkschaftlichen Rahmen hinaus. Insofern gibt es Gründe genug, den Arbeitskampf zu unterstützen, sich solidarisch auf die streikenden KollegInnen zu beziehen und Verbindungen zu anderen Konflikten herzustellen. Die ersten Streiktage, Kundgebungen und Demonstration wurden bereits von einigen Menschen unterstützt: aus der Nachbarschaft, von der „Altonaer Plattform gegen Verdrängung“ und linken Gruppen. Daran gilt es anzuknüpfen und deutlich zu machen, dass es nicht nur eine ökonomische Auseinandersetzung, sondern auch ein politischer Kampf ist, der uns alle angeht!

Kapitalismus macht krank
Der Diskurs über das Pflege- und Gesundheitswesen dreht sich vor allem um Kosten, Sparen und ökonomische Effizienz. Die angebliche „Kostenexplosion“ im Gesundheitsbereich ist allerdings mehr Mythos als Realität, seit Jahrzehnten entwickeln sich die Kosten etwa parallel zur Steigerung des Bruttoinlandsprodukts und machen einen Anteil von ca. 11 % aus. Das Problem ist ein anderes: Die schonungslose Unterordnung der Beschäftigten und Betreuten unter die marktwirtschaftliche Ausrichtung der Unternehmen, die besonders seit der Privatisierungswelle im Pflege- und Gesundheitsbereich ihre Spuren hinterlässt. Die Ökonomisierung bedeutet für die meisten Betriebe ständigen wirtschaftlichen Erfolgsdruck und den damit verbundenen Zwang zu Rationalisierungsmaßnahmen, um die Konkurrenzfähigkeit zu erhalten und die Profite zu sichern. Weniger Zeit für die Betreuten, Unterversorgung und erhöhter physischer und psychischer Druck für die Beschäftigten etc. sind die Folgen. Die Voraussetzung für gute Pflege sind aber in erster Linie gute Arbeitsbedingungen der Pflegenden. Dass das nicht im Interesse der privaten Unternehmen ist, versteht sich von selbst. Die menschlichen Bedürfnisse und die kapitalistische Logik stehen sich antagonistisch gegenüber. Geschenkt bekommen wir in dieser Gesellschaft nichts, wir müssen es erkämpfen. Auch wenn ein Kampf für bessere Arbeitsbedingungen den Kapitalismus nicht aus den Angeln hebt, die KollegInnen von PFLEGEN & WOHNEN machen einen Anfang sich zu wehren.

Kommt zu den Demonstrationen, besucht die Streikenden, informiert über den Arbeitskampf und organisiert Unterstützung – in eurem Umfeld, im Betrieb oder im Stadtteil!

Ab dem 10.02.2012 werden ab 11:30 Uhr Streikposten vor den Einrichtungen stehen. Welche Einrichtung an welchem Tag bestreikt wird und weitere offizielle Termine gibt’s bei ver.di.

Adressen der Hamburger Einrichtungen:
Altona. Thadenstr. 118a
Alsterberg. Maienweg 145
Finkenau. Finkenau 11
Uhlenhorst. Heinrich-Hertz-Straße 90
Lutherpark. Holstenkamp 119
Farmsen. August-Krogmann-Str. 100
Heimfeld. An der Rennkoppel 1
Holstenhof. Elfsaal 20
Horn. Bauerberg 10
Husarendenkmal. Am Husarendenkmal 16
Moosberg. Moosberg 3
Öjendorf. Deelwischredder 37
Wilhelmsburg. Hermann-Westphal-Str. 9

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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