Ausstellung „Umkämpfte Vergangenheit“ vom 27.02. – 08.03.2012 in Hamburg

Mit dem überwältigenden Wahlsieg der linken Volksfront im Frühjahr 1936 begann in Spanien die sogenannte „Dritte Republik“. Sie nährte die Hoffnung vor allem der armen Landbevölkerung auf eine sozialistische Entwicklung, auf ein besseres Leben. Es waren rechte Militärs, die noch im selben Jahr gegen die demokratisch gewählte Regierung putschten, unterstützt durch weite Teile des Bürgertums, des Adels und der Kirche – und dies der Beginn des „Spanischen Bürgerkrieges“. Die faschistischen Nachbarstaaten Deutschland und Italien unterstützten General Franco massiv mit Waffen und Truppen; und somit wurde der Kampf für die Spanische Republik zugleich der Kampf gegen den Faschismus in Europa. Widerstand leistete vor allem die spanische Bevölkerung selbst. Aber auch AnarchistInnen, KommunistInnen, SozialistInnen und linksliberale Bürgerliche aus aller Welt gingen nach Spanien, um mit der Waffe in der Hand die Republik zu verteidigen. Diese weltweite antifaschistische Unterstützung ist ein bewegendes Beispiel internationaler Solidarität. Mit dem Sieg der Franco-Truppen 1939 starb auch die Hoffnung, die Ausbreitung des Faschismus in Europa verhindern zu können.

Es folgte eine gewaltige Repressionswelle, die auch mit der militärischen Niederlage Nazi-Deutschlands und des italienischen Faschismus nicht endete. Im „Kalten Krieg“ war das Franco-Regime eher Verbündeter denn Feind der West-Alliierten, 1955 trat Spanien der UNO bei. Erst mit Francos Tod 1975 endete die Diktatur, Spanien wurde eine parlamentarische Monarchie – unter Beibehaltung der alten Eliten aus Militär, Verwaltung, Wirtschaft und Polizei. Dieser Übergang zu normalen westeuropäischen (also demokratisch-kapitalistischen) Verhältnissen wurde mit Straffreiheit der franquistischen Täter und einem staatlich gepflegtem Vergessen erkauft.

Dieses Schweigen bekommt Risse – immer mehr Menschen fragen nach dem Schicksal ihrer Verwandten, immer weniger sind bereit, republikanische KämpferInnen oder illegale GewerkschafterInnen als Terroristen zu diffamieren. Beschleunigt hatte diesen Prozess nicht zuletzt die bisweilen ungebrochen positive Bezugnahme der rechten Regierung unter José María Aznar auf die Franco-Diktatur und die anhaltenden öffentlichen Auseinandersetzungen um die Deutungshoheit über den Spanischen Bürgerkrieg.

Insbesondere für die Linke ist es wichtig, dass sie sich ihre eigene Erinnerung jenseits des antitotalitären Konsens und der Bemühungen historischer Nivellierung bewahrt. Die Deutungshoheit über die eigene Geschichte und ein kritisches Verhältnis zur Tradition linker Bewegungen und Kämpfe ist auch eine Voraussetzung für den Beginn eines neuen linken Projektes. In diesem Sinne will die Ausstellung über die umkämpfte Vergangenheit in Spanien auch ein Beitrag zum Gedächtnis der Linken sein.

Eröffnungsveranstaltung:
Mit einem Referenten, der die Ausstellung mit erstellt hat

Montag – 27.02.2012 – 19 Uhr
Centro Sociale – Sternstraße 2

Ausstellung im Centro Sociale:
Geöffnet von 16 – 19 Uhr

Mittwoch – 29.02.2012
Donnerstag – 01.03.2012
Montag – 05.03.2012
Dienstag – 06.03.2012
Donnertag – 08.03.2012

Flyer als PDF

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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