1. Mai 2012

Am 1. Mai, dem internationalen Kampftag der ArbeiterInnen, gingen auch 2012 weltweit Millionen Menschen gegen die Zumutungen des Kapitalismus auf die Straße. Auch in der BRD fanden abseits der Würstchenbuden und sozialpartnerschaftlichen Reden der Gewerkschaftsführung vielfältige linke und antikapitalistische Aktivitäten rund um den 1. Mai statt. So auch in Hamburg und der Region: Zunächst wurde ein Naziaufmarsch in Neumünster verhindert, Mittags mit klassenkämpferischen Inhalten an der Gewerkschaftsdemo teilgenommen und am Abend fand die traditionelle revolutionäre 1. Mai Demonstration statt.

Als Höhepunkt ihres Wahlkampfs in Schleswig-Holstein plante die NPD am 1. Mai einen Aufmarsch in Neumünster. Aus Hamburg und anderen norddeutschen Städten fand eine breite antifaschistische Mobilisierung statt, um den Naziaufmarsch zu verhindern. Und so kam es dann auch: Lediglich 30 Faschisten erreicht den Kundgebungsort. Etwa 100 Nazis, die abseits der angemeldeten Route marschieren wollten, wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen. Rund 2000 Menschen, mehrere Blockaden, direkte Angriffe auf die Nazis und Aktionen rund um den Neumünster Bahnhof schufen ein Gesamtszenario, indem der Aufmarsch undurchführbar war. Eine gewaltige Schlappe für den Nazi-Wahlkampf in Schleswig-Holstein und ein voller Erfolg für die antifaschistische Bewegung in der Region.

In Hamburg startete um 11 Uhr die Gewerkschaftsdemonstration, die in diesem Jahr erstmals am Spielbudenplatz begann, durch St. Pauli führte und am Fischmarkt endete. Etwa 5000 Menschen folgten dem Aufruf des DGB. Das offizielle Motto „Gute Arbeit in Europa – Gerechte Löhne, Soziale Sicherheit“ war einigen TeilnehmerInnen allerdings viel zu wenig. Eine klassenkämpferische und antikapitalistische Beteiligung sorgte dafür, dass nicht allein der DGB-Führung das Wort überlassen wurde. Mit Transparenten wie „Kapitalismus überwinden – Für Solidarität und Klassenkampf“ und Sprühschablonen, die während der Demo am Rand eingesetzt wurden, waren auch Positionen präsent, die über den sozialpartnerschaftlichen Kurs der Gewerkschaften hinausgingen. An der Wegstrecke war die Parole „Klassenkampf statt Sozialpartnerschaft“ zu lesen, an einer Brücke wies ein riesiges Transparent auf die antifaschistische Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch am 2. Juni hin. An der Abschlusskundgebung war ein Transparent mit dem Slogan „Die Krise heißt Kapitalismus – Für eine solidarische und klassenlose Gesellschaft“ angebracht. Auch der internationalistische Block war mit einigen Hundert TeilnehmerInnen, überwiegend aus linken kurdischen und türkischen Organisationen, gut besucht. Erfreulich war auch, dass kapitalismuskritische Inhalte zunehmend im Umfeld der Gewerkschaftsjugend zu sehen waren.

Im Anschluss an die DGB-Kundgebung fuhren ca. 50 Menschen kollektiv schwarz mit dem HVV zur Euromayday-Parade. Im Rahmen der Kampagne „HVV umsonst“ wurde die Aktion „1.Mai – ticketfrei“ im Vorfeld öffentlich angekündigt. Mit einem Transparent, Luftballons, Redebeiträgen und Flugblättern an die anderen Fahrgäste wurde das Anliegen eines kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs vermittelt.

Am Abend fand – wie üblich – die revolutionäre 1. Mai Demonstration statt. Über 2000 TeilnehmerInnen zogen von den Landungsbrücken nach Altona. Die Polizei hielt sich anfänglich komplett im Hintergrund, was für Hamburger Verhältnisse relativ ungewöhnlich ist. Nach einem bengalischen Feuer, etwas Rauch und vereinzelten Böllern zog sie dann doch ein lockeres Spalier auf. Anders als im Vorjahr, als die Polizei versuchte die Demonstration mit einem gewaltigen polizeistaatlichen Aufmarsch zu ersticken, konnte die Demo 2012 halbwegs störungsfrei bis zum Ende laufen. Auf der Abschlusskundgebung eskaliert die Polizei die Situation dann aber doch. Greiftrupps zogen Leute heraus und probierten den Lautsprecherwagen anzugehen. Es folgten Auseinandersetzungen, ein paar Scheiben von Banken und Geschäften gingen zu Bruch und bis in die späten Abendstunden gab es kleinere Scharmützel mit der Polizei, die sich mittlerweile ins Schanzenviertel verlagert hatten.

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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