1000 Beschäftigte wegen Streik gekündigt

Dass dem Kapital Arbeitskämpfe zuwider laufen, versteht sich von selbst. Was sich aber bei der Zentralen Service-Gesellschaft (ZSG) der norddeutschen Damp-Kliniken abspielt, ist vermutlich ein beispielloser Angriff auf das Streikrecht: Ende letzter Woche wurden rund 1000 Beschäftigte wegen eines Streiks gekündigt. Etwa 100 davon in Hamburg. In den nächsten Tagen sind Solidaritätsaktionen in Hamburg und Kiel geplant.

Im Frühjahr übernahm der Krankenhauskonzern Helios, der zum Marktführer unter den privaten Krankenhäusern anwachsen will, alle Kliniken der Damp AG. Die Dienstleistungen, wie Wäscherei, Kantinen, Hausmeisterei etc., werden seitdem in der Zentralen Service-Gesellschaft (ZSG) gebündelt. Die outgesourcte ZSG muss sich als konzerneigenes Subunternehmen um Aufträge bei Helios bewerben. Die Folge ist eine Spaltung der Belegschaft, erhöhte Konkurrenz und ständiger Druck auf die Löhne.

Das Service- und Pflegepersonal der Damp AG startete nach der Übernahme durch Helios einen Arbeitskampf, um sich gegen Tarifflucht, Lohnkürzungen und schlechtere Arbeitsbedingungen zu wehren. Die Gewerkschaft ver.di fordert 7,5 % mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro mehr pro Person. Helios zeigte sich – trotz Streiks – zu keinerlei Verhandlungen bereit. Auch die Beschäftigten der ZSG folgten ihren KollegInnen des Mutterkonzerns und traten nach einer Urabstimmung, in der sich 86 % der Gewerkschaftsmitglieder dafür aussprachen, in einen Streik für höhere Löhne. Nach dem Streiktag am 21. Juni erhielten 1000 Angestellte eine Kündigungen. Offenbar als unmissverständliche Antwort der Unternehmensleitung auf den Arbeitskampf.

Mittlerweile hat Helios angekündigt 80% der Entlassenen in Folgegesellschaften übernehmen zu wollen. Also in neuen Subunternehmen, welche die Konkurrenz und Spaltung weiter vorantreiben und für Helios vermutlich eine willkommene Gelegenheit bieten, sich der unliebsamen und aufrührerischen Angestellten zu entledigen.

In Solidarität mit den kämpferischen KollegInnen und zur Verteidigung des Streikrechts wird es in den kommenden Tagen Aktionen geben:

Am Freitag, dem 29. Juni, ist vor der Endo-Klinik zeitgleich zum Streik eine Kundgebung geplant, um auf die massive Einschränkung des Streikrechts aufmerksam zu machen. Ab 8 Uhr, Holstenstraße 2. Für Samstag, den 30. Juni, ruft ver.di zur Demonstration in Kiel auf. In Hamburg findet daher auch Samstag um 9 Uhr eine Kundgebung vor der Endo-Klinik statt. Um 9:30 Uhr ist Abfahrt nach Kiel. Die Demo startet um 12 Uhr am Gewerkschaftshaus in der Legienstraße.

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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