Altona erinnert sich: 80 Jahre Altonaer Blutsonntag

Am Abend des 17. Juli wehte ein Hauch Geschichte durch Altona: Über 200 Menschen machten sich auf, um dem achtzigsten Jahrestag des Altonaer Blutsonntages zu gedenken. Begonnen wurde mit einer kleinen Schauspieleinlage im August-Lütgens-Park. Anschließend zog ein Stadtteilspaziergang durch Altona. An mehreren Orten wurde Halt gemacht, um dort historische Szenen nachzustellen und über die Ereignisse vom Juli 1932 zu informieren.

Vor achtzig Jahren marschierte die SA durch das rote ArbeiterInnenviertel. Proteste von AnwohnerInnen und der Antifaschistischen Aktion wurden brutal niedergeschlagen, 16 BewohnerInnen von Polizisten erschossen.

An der ersten Station des Spaziergangs wurde ein Transparent mit dem historischen Logo der Antifaschistischen Aktion quer über die Straße gespannt und die beiden Schauspieler Michael Bideller und Peter Franke stellten beispielhaft ein Gespräch zweier Anwohner über die damalige Lebenssituation nach. Weiter ging es zu dem Ort, an dem vor achtzig Jahren die AntifaschistInnen und der Nazi-Aufmarsch aufeinander getroffen sind. Von dort führte der Weg durch die Unzerstraße, in der der stadtbekannte Kommunist Willi Hans Miersch am Fenster von einem Polizisten erschossen wurde. Als der Spaziergang die Kreuzung erreichte, an der es 1932 die meisten Opfer gegeben hatte, wurden alle Namen der Ermordeten verlesen. Als letzter Zwischenhalt wurde am Bruno Tesch Platz den vier ersten Justizopfern des deutschen Faschismus, Bruno Tesch, Walter Möller, Karl Wolff und August Lütgens, gedacht, die wegen ihrer Beteiligung an den Protesten gegen den Nazi-Aufmarsch verurteilt und hingerichtet wurden. Unterwegs wurden an verschiedenen Orten Stencils mit kurzen Hinweisen auf die hsitorischen Ereignisse auf den Boden gesprüht. Als Ausklang endete der Spaziergang im Walter Möller Park, mit Musik, Reden und einem Film. Dort wurde auch die Verbindung zu antifaschistischen Kämpfen heute aufgezeigt und die Rolle des Staates und der Polizei beim Schutz von Nazi-Aufmärschen und der Repression gegen AntifaschistInnen – damals wie heute – thematisiert.

Eine durchweg gelungene Veranstaltung. Die TeilnehmerInnenzahl übertraf die Erwartungen und AntifaschistInnen jeden Alters gedachten gemeinsam der damaligen Ereignisse. Mit einer anschaulichen und informativen Art konnte der Geschichtsvergessenheit in der Gesellschaft, aber auch in der Linken, etwas entgegengesetzt werden.

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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