Jetzt geht’s los: IBA und igs versenken!

Es sollte eine große PR-Tour sein: Am 11. Juli besuchte die Hamburger Senatorin der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), Jutta Blankau, Wilhelmsburg – mit einer Barkasse. Ihr Ziel war das zukünftige Gelände der Internationalen Gartenschau (igs). Mit geladener Presse und Lokalpolitikern im Schlepptau wollte sie medienwirksam den Ernst-August-Kanal entlang schippern. Doch die Show verlief anders als geplant. Zunächst zwangen einige SchwimmerInnen die Barkasse zum Stillstand. Es folgten zwei Boote, die die Weiterfahrt blockierten. Von einer Brücke wurde ein Transparent mit der Aufschrift „Jetzt geht’s los: IBA und igs versenken!“ herabgelassen. Stinkende Flüssigkeit und Beutel mit Dreck landeten auf dem Schiff. Ebenso einige Flugblätter, die verrieten wogegen sich der Protest richtete. Im Fokus der Kritik stand die „Aufwertung“ des Stadtteils und die Verdrängung derzeitiger BewohnerInnen. Laut Presse sind bereits am Morgen ein Dutzend Farbbeutel gegen das IBA-Dock – ein schwimmendes Werbegebäude auf der Veddel – geflogen.

Die Proteste zur See wurden von Menschen an Land unterstützt. Mit Parolen und Schildern gegen die Umstrukturierung Wilhelmsburgs und Mieterhöhungen wurde die Werbefahrt begleitet. Die Barkasse konnte ihre Fahrt zum Biergarten „Zum Anleger“ nur im Schneckentempo fortsetzen. Die Boote und SchwimmerInnen schob das Schiff – die Gefahr ignorierend – vor sich her. Die örtliche Polizisten, die nach wenigen Minuten eintrafen, machten einen überforderten Eindruck. Sie konfiszierten ein Schild, kontrollierten wahllos eine Person und versuchten die Protestierenden am Zugang zum Biergarten zu hindern. Erst nach über einer Stunde kamen 3 Wannen zur Verstärkung. Die Aktion war längst beendet und die Image-Tour der Senatorin medial gekentert. Ihre Heimfahrt musste die Barkasse unter dem Schutz eines hinzugeeilten Polizei-Bootes antreten.

Das verteilte Flugblatt der „AG Schiffe versenken Wilhelmsburg“ macht deutlich worum sich der Protest dreht. Dort heißt es: „[…] Für Städte- und Gartenbau, der ohne konkreten Nutzen für die Bewohner_innen bleibt, wird ein immenser Teil der Insel umgepflügt, Schneisen in die „verwilderte“ Natur geschlagen, Parks jahrelang abgesperrt, Prestigebauten hochgezogen und überdimensionierte Modellprojekte der „Modernisierung“ des Wohnungsbestandes – Stichwort Weltquartier – umgesetzt. Schaffung von Wohnraum, der auch Menschen in prekären Lebensverhältnissen zugänglich ist? Schaffung unkommerzieller Orte als Treffpunkte und Raum für Selbstorganisation im Viertel? Fehlanzeige! Ein Budget von 100 Mio. € und das erhoffte Investitionsvolumen von 1 Mrd. € allein im Rahmen der IBA machen deutlich, dass es um die Vermarktung und Privatisierung der Insel und metropolitane Leuchtturmpolitik geht.“

Einen ausführlichen Bericht gibt’s beim Arbeitskreis Umstrukturierung (AKU).

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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