Eine Woche Streik bei Neupack – Der Kampf geht weiter!

Eine Woche ist es her, dass die Beschäftigten des Verpackungsmittelherstellers Neupack in den unbefristeten Streik für einen Tarifvertrag getreten sind. Nach einem entschlossenen Streikbeginn am 1. November überschlagen sich die Ereignisse. Schon am ersten Streiktag sorgten Konflikte mit KollegInnen, die sich als Streikbrecher hervortaten und sich mit körperlicher Gewalt Zutritt zum Unternehmen verschaffen wollten, für reichlich Zündstoff. Im Werk in Rothenburg/Wümme wurde ein Streikender durch einen Angestellten angefahren. Die Lage spitzt sich von Tag zu Tag zu: Seit vergangenem Dienstag setzte der Eigentümer Jens Krüger Streikbrecher einer polnischen Leiharbeitsfirma aus Kattowitz ein. Am Mittwoch erwirkte die Firma Neupack beim Arbeitsgericht Hamburg, ohne Anhörung der Gewerkschaft, eine einstweilige Verfügung, die das Streikrecht einschränkt.

Mit dem Einsatz von polnischen LeiharbeiterInnen macht sich die Geschäftsführung die prekäre Arbeitssituation und die Abhängigkeit der KollegInnen aus Polen zu Nutze, ihre schmutzigen Methoden durchzusetzen. Ursprünglich wurden die LeiharbeiterInnen bereits am Montagmorgen erwartet, weshalb sich neben den Streikenden rund 30 UnterstützerInnen vor dem Werk in Stellingen einfanden. Aber erst am Dienstag, gegen 9:45 Uhr, wurden 11 Streikbrecher der Leiharbeitsfirma „work express“ mit Taxis auf das Firmengelände gebracht. Verständlicherweise trübte das die Stimmung unter den Streikenden, von einem Abbruch kann aber keine Rede sein. Die KollegInnen überlegen vielmehr, wie sie den Kampf auf andere Weise ausdehnen können. Am Mittwoch erfolgte der nächste Angriff der Geschäftsleitung: Die einstweilige Verfügung. Bisher konnten die Beschäftigten den Zugang zur Firma für eine halbe Stunde blockieren, um Streikbrecher über die Ziele des Arbeitskampfes zu informieren und sie zur Solidarität aufzufordern, was jetzt nicht mehr möglich sein soll. Die Gewerkschaft IG BCE versucht die Einschränkung des Streikrechts durch das Hamburger Arbeitsgericht juristisch anzufechten und kann sich dabei auf zwei einschlägige Urteile aus Berlin und Bielefeld beziehen. Für die streikenden KollegInnen hieß das vorläufig die Einfahrten frei zu halten, worüber viele zu Recht empört waren.

Das Ziel der Eigentümerfamilie Krüger liegt auf der Hand: Indem sie mit Hilfe von Gerichten das Streikrecht beschneiden lassen und zeitgleich externe Streikbrecher einsetzen, wollen sie die streikenden KollegInnen mürbe machen und ihnen die ökonomische Macht im Arbeitskampf nehmen. Die Streikenden in Stellingen reagierten souverän und nutzten die Zeit in der sie die Produktion nicht beeinträchtigen durften, um ihre KollegInnen in Rothenburg/Wümme zu besuchen. Vor dem Werkstor sammelten sich die Streikenden beider Standorte zu einer gemeinsamen Kundgebung. Den anwesenden Security schien das derart zu verunsichern, dass er sich mit einem bellenden Hund im Anschlag, vor den aufgebrachten ArbeiterInnen aufbaute. Nachdem das Tor geschlossen wurde, beruhigte sich die Lage wieder. Erst als ein einsamer Streikbrecher sich den Weg durch die Menge bahnte, wurde es wieder lauter.

Seit dem ersten Streiktag werden die KollegInnen von vielen UnterstützerInnen begleitet, die mit ihnen zu den Schichtwechseln vor den Werken stehen. Solidarische Redebeiträge gab es u.a. von Cytec und ADM (beides Chemiebetriebe), DIDF, der Fraktion Die Linke, ATTAC, dem Recht-auf-Stadt-Netzwerk und dem Soli-Kreis Neupack, der sich zur Unterstützung des Arbeitskampfes gebildet hat. Nach und nach gehen immer mehr Grußbotschaften aus diversen Betrieben – auch anderer Branchen – ein. Der Soli-Kreis bemüht sich, die verschiedenen aktuellen sozialen Kämpfe in Hamburg und darüber hinaus mit dem Kampf bei Neupack zu vernetzen. Mit der Recht-auf-Stadt-Demo am Samstag und dem Aktionstag zum „europäischen Generalstreik“ am 14. November sind erste Anknüpfungspunkte gegeben. Auch die Solidarität aus anderen Betrieben wird sich weiter entwickeln lassen. Erfreulich ist, dass es bereits branchenübergreifend erste Solidaritätsbekundungen, Delegationen aus anderen Betrieben und einen regen Austausch gibt. Klar ist: Der Arbeitskampf braucht mehr als ökonomischen Druck um erfolgreich zu sein. Die Verzahnung mit anderen sozialen Kämpfen ist ein Weg, den Konflikt auch auf eine politische Ebene zu heben.

Für die Eigentümer von Neupack sind die Beschäftigten allein Kostenfaktoren in der Buchhaltung. Sie tragen den Konkurrenzkampf auf dem Markt schonungslos auf dem Rücken der Belegschaft aus, um das Kapital der Firma zu vermehren. Soweit normaler Kapitalismus, wobei die Bedingungen in der Firma Neupack deutlich unter den Standards der Branche liegen, wogegen sich die Streikenden wehren. Mit ihrem Arbeitskampf wollen sie einen Tarifvertrag durchsetzen, denn bisher herrschen im Betrieb unterschiedliche Bezahlungen für gleiche Arbeit sowie ungeregelte Urlaubsbestimmungen. Seit vielen Jahren gab es für die Meisten keine Lohnerhöhungen. Zeitgleich hat das Tempo der Produktion immer weiter zugenommen – sich der Maschinentakt erhöht – und die Beschäftigten an ihre Grenzen geführt. Seit über einem Jahr versucht die IG BCE einen Haustarifvertrag durchzusetzen. Alle Verhandlungen waren gescheitert, weshalb sie jetzt in den unbefristeten Erzwingungsstreik eingetreten sind.

Die Familie Krüger nutzt ihre Machtstellung, die sie aufgrund ihres Kapitals besitzt, und lässt keine Gelegenheit aus gegen die Streikenden vorzugehen. Bisher ohne Erfolg! Der Arbeitskampf geht in die zweite Woche und die KollegInnen führen ihren Streik entschlossen weiter. Nach wie vor gilt es, sie dabei zu unterstützen. Bis ihre Forderung nach einem Tarifvertrag erfüllt ist, wird vermutlich noch einige Zeit verstreichen. Deshalb ist eine breite Unterstützung und kritische Öffentlichkeit wichtig. An der Entschlossenheit und Ideen der Beschäftigten mangelt es nicht und die bisherige Unterstützung macht Mut, dass ihr Arbeitskampf Erfolg haben wird. La lotta continua!

Die Niederlassung von Neupack in Hamburg-Stellingen befindet sich im Doerrisweg 15, das Werk in Rotenburg/Wümme im Jeersdorfer Weg 14. Täglich von 12 Uhr bis 16 Uhr treffen sich die Kolleginnen und Kollegen im Streikzelt. Streikposten stehen zu Zeiten des Schichtwechsels vor dem Betrieb: 05:30 Uhr bis 06 Uhr, 13:30 Uhr bis 14 Uhr und 21:30 Uhr bis 22 Uhr.

Kontakt zum Soli-Kreis Neupack: soli-kreis@gmx.de

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

Das könnte auch interessant sein...