Den Naziaufmarsch in Wolfsburg verhindern!

Am 1. Juni 2013 wollen Nazis erneut unter dem Motto „Tag der deutschen Zukunft“ aufmarschieren – diesmal im niedersächsischen Wolfsburg. Unter dem gleichen rassistischen und nationalistischen Slogan fanden bereits Aufmärsche in Pinneberg, Hildesheim, Braunschweig/Peine und letztes Jahr in Hamburg statt. Der Aufmarsch hat sich als festes Event der norddeutschen Naziszene etabliert und zählt zu einem der größten Aufmärsche in der Region. Doch die Faschisten sind auch mit wachsendem Widerstand konfrontiert. Aus Hamburg ist eine gemeinsame Anreise mit Bussen zu den antifaschistischen Gegenaktionen nach Wolfsburg geplant.

Tickets gibt es bei den Infoveranstaltungen, in der Buchhandlung im
Schanzenviertel und im Infoladen Schwarzmarkt.

Infoveranstaltung: Donnerstag 23. Mai – 19 Uhr – Rote Flora

Letzte Infos: Donnerstag 30. Mai – 19 Uhr – Gängeviertel

Aktuelle Infos zur Anreise aus Hamburg: nazisblockieren.blogsport.de

Aufruf vom Bündnis „Keine Zukunft für Nazis!“

Den Naziaufmarsch in Wolfsburg verhindern!

Unter dem Motto „Tag der deutschen Zukunft“ wollen Nazis am 1. Juni 2013 in Wolfsburg aufmarschieren und ihr rassistisches und nationalistisches Gedankengut auf die Straße tragen. Unter demselben Motto fanden bereits Aufmärsche in Pinneberg, Hildesheim, Braunschweig/Peine und Hamburg statt. Mittlerweile hat sich der „Tag der deutschen Zukunft“ zu einem der wichtigsten jährlichen Ereignisse für Nazis in Norddeutschland entwickelt. Aber auch der Widerstand steigert sich jedes Jahr.

Auf Grund der starken antifaschistischen Mobilisierung im Vorfeld gegen den Aufmarsch in Braunschweig 2011, wurde lediglich eine Kundgebung erlaubt. Die Nazis mussten nach Peine ausweichen, wo sich ihnen wieder zahlreiche Menschen in den Weg stellten, nur durch das gewaltsame Vorgehen der Polizei, war es ihnen möglich zu marschieren. Auch in Hamburg traten mehrere tausend AntifaschistInnen den Nazis entschlossen entgegen. Erst mit großer Verspätung und auf stark gekürzter Route, die immer wieder geändert werden musste, konnten sie laufen. Auch diesmal war es die Polizei, die ihnen den Raum schuf, sich zu bewegen.

Wir werden nicht tatenlos zusehen, wenn die Nazis in Wolfsburg versuchen ihren Aufmarsch durchzuführen. Dem werden wir entschlossen und mit allen Mitteln entgegentreten!

Beteiligt euch am 1. Juni 2013 an den antifaschistischen Aktionen in Wolfsburg damit wir den Naziaufmarsch gemeinsam verhindern!

DEMONSTRIEREN! – STÖREN! – BLOCKIEREN! – VERHINDERN!

Deutsche Zukunft“? Bleib mir vom Leib damit!

Hinter der Parole einer deutschen Zukunft steckt deutsche Vergangenheit. „Deutschland den Deutschen“ steht in direkter Tradition der Blut- und Bodenideologie des deutschen Faschismus und das Gerede von „Überfremdung“ suggeriert, es gebe eine ethnisch-kulturell homogene Gemeinschaft, die es vor Angriffen von außen zu schützen gelte. Diese Konstruktion einer biologisch determinierten Schicksalsgemeinschaft führt zur gewalttätigen Ausgrenzung und Ermordung derer, die nicht in ihr rassistisches und männlichkeitsorientiertes Weltbild passen.

Mit dem Aufmarsch in Wolfsburg wollen und können die Nazis auch an rassistische Einstellungen der Mehrheitsgesellschaft anknüpfen: Große Schnittmengen zeigte zuletzt eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung auf, wonach ein Viertel der Deutschen rassistische Auffassungen vertreten. Als selbst ernanntes Sprachrohr für das, was alle denken, sich aber niemand traue auszusprechen, trat SPD-Mitglied Thilo Sarrazin auf, der propagierte, Deutsche könnten zu einer Minderheit werden, und Deutschlands Grenzen am liebsten dicht machen würde. Dabei bedient er sich neben kulturrassistischen Argumenten auch kruder Biologismen, wenn er behauptet, MigrantInnen seien eine „genetische Belastung“. Auch CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer hätte es nicht deutlicher sagen können, als er mit der Äußerung, er werde sich „bis zur letzten Patrone gegen eine Zuwanderung in die deutsche Sozialsysteme sträuben“, auf Stimmenfang ging.

Staat und Faschisten Hand in Hand

Wenn über Nazis gesprochen wird, sagen viele, dass die sich von alleine erledigen werden, wenn sie keiner beachtet. Was dabei herauskommt, wenn Nazis auf Teufel komm raus ignoriert werden, wurde uns erst im November 2011 wieder blutig vor Augen geführt. Über 10 Jahre konnte eine bewaffnete Untergrundgruppe, die sich selbst als „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) bezeichnete, unter den Augen der Behörden zahlreiche Morde, Anschläge und Banküberfälle begehen. Die Polizei, Politik und Medien waren sich sehr schnell einig, dass sich hinter den Morden „ausländische, kriminelle“ Machenschaften verbergen würden und präsentierten der Öffentlichkeit die sogenannten „Dönermorde“. Kaum jemand, außer den FreundInnen und Angehörigen der Mordopfer, schien die Erklärungen für die Morde anzuzweifeln, geschweige denn, Nazis als Mörder überhaupt in Betracht zu ziehen. Noch 2008 ließ der damalige niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann nach diversen Waffenfunden in Südniedersachsen verlauten, Nazis hätte nur eine Affinität zu Waffen, sie würden sie aber nicht einsetzen, weshalb auch keine Gefahr von ihnen ausgehe.

Seit Aufnahme der Arbeit der „Untersuchungskommissionen“ werden immer wieder entsprechende Akten durch den Verfassungsschutz geschreddert – angeblich jedes Mal aus Versehen. Man muss schon verdammt viel guten Willen, besser gesagt Naivität, aufbringen, um bei all den angeblichen „Pannen“, “Ungereimtheiten“, „Kommunikationsschwierigkeiten“ und „strukturellen Problemen“ das Gefasel von „Versehen“ noch zu glauben. Vielmehr spricht alles dafür, dass wenigstens Teile der Geheimdienste und der Polizeibehörden aktiv den Terror des NSU vertuscht, geschützt und gestützt haben.

Die Unterstützung von Nazis hat bei den deutschen Geheimdiensten bereits eine lange Tradition. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden diese mit maßgeblicher Beteiligung von Nazifunktionären aufgebaut. Es ist nicht das erste Mal, dass westliche Geheimdienste Nazis mit Waffen versorgen. Ab den 1950er Jahren bis zum Ende der Sowjetunion finanzierten und bildeten westeuropäische Geheimdienste und die CIA paramilitärische Nazieinheiten aus, die bei einem potenziellen Krieg gegen die Sowjetunion Terror und Sabotageakte verüben sollten. Nach ihrem italienischem Ableger wird diese Organisation seit ihrer Aufdeckung in den 1990er Jahren „Gladio“ genannt. Der Fall NSU ist also keineswegs ein Versagen, sondern Ausdruck der Kontinuität innerhalb dieser Institution. Aus den personellen und ideologischen Überschneidungen ergibt sich bis heute ihre konsequente Verfolgung linker Strukturen bei gleichzeitiger Unterstützung faschistischer Terrorgruppen.

Mit aktuellen „Bildungsangeboten“, Ausstellungen und Veranstaltungen an Schulen, Rathäusern oder in anderen gesellschaftlichen Bereichen versucht der Verfassungsschutz, mit ideologischer Rückendeckung aus den Reihen der schwarz-gelben Regierungskoalition, in der Öffentlichkeit die sogenannte Extremismustheorie als das Maß der Dinge durchzusetzen. Eben jene, die für Krieg, Naziterror, Abschiebungen und dergleichen die gesetzlichen Rahmenbedingungen bereitstellen, basteln sich eine gesellschaftliche Mitte (in der sie selbst stehen) und einen darum herumlaufenden Rand. Je nach gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen, wird dann mal dies oder dann mal das als „linksextrem“, „rechtsextrem“ oder als „ausländischer Extremismus“ verkauft – auf jeden Fall wird es als nicht zur „Mitte“ gehörend dargestellt und ist entsprechender gesellschaftlicher Ächtung bzw. staatlicher Repression ausgesetzt. So wird das Bekenntnis zu einem antifaschistischen Selbstverständnis und die Beteiligung an Blockaden bereits als „linksextrem“ diffamiert und durch den Staat kriminalisiert.

Unsere Politik endet nicht mit dem Kampf gegen Naziaufmärsche. Uns geht es nicht ausschließlich darum, der NPD oder anderen Nazigruppen entgegenzutreten, sondern sich jedem rassistischen und nationalistischem Denken und Handeln zu widersetzen – egal wo und wie es sich zeigt. Neben der Notwendigkeit, den Nazis das Leben so schwer wie möglich zu machen, gilt es auch, die Ursachen zu bekämpfen, die zur Entwicklung reaktionärer Einstellungen führen. Dafür ist es wichtig, die Perspektive einer emanzipatorischen, fortschrittlichen Gesellschaft zu formulieren und voranzutreiben! Wir lassen uns dabei weder von einem Staat einschüchtern, der den Naziterror erst möglich macht, noch lassen wir uns unsere Protestformen von diesem Staat oder anderen Institutionen diktieren! Ein “Gesicht zeigen gegen Rechts”, eine “Meile der Demokratie” mit Grillen und Saufen gegen Rechts oder andere symbolische Aktionen reichen uns nicht aus. Wir wollen den direkten Widerstand, der Faschisten und ihre Sympathisanten an dem hindert, was sie gerade tun!

Für den 01.06.2013 in Wolfsburg bedeutet das, dass wir dort sein werden, wo die Faschisten sind!

KASTEN:
Wer steckt hinter der Kampagne des „TddZ“?
Es sind Gruppen des norddeutschen Kameradschaftsspektrums, die mit dem „Tag der deutschen Zukunft“ eine eigene und kontinuierlich stattfindende Veranstaltung etablieren wollen. Jene Gruppen lehnen die Naziparteien als „angepasst“ ab und ziehen ein demonstrativ aggressives Auftreten dem Anbiederungskurs der Parteien vor. Dies bedeutet zwar nicht, dass die NPD nicht mitzieht, wenn es denn nicht anders geht – sie ist aber in diesem Bereich des faschistischen Spektrums weder ideologisch noch organisatorisch der tonangebende Teil. Als bekannte Persönlichkeiten dieser Strömung im norddeutschen Raum und Mitorganisatoren der „TddZ“-Aufmärsche sind Dieter Riefling aus Hildesheim oder auch Thomas Wulff aus Hamburg zu nennen. Beide sind schon seit Jahren im norddeutschen Kameradschaftsspektrum aktiv und treten als Organisatoren und Anmelder von Nazidemonstrationen oder als Redner auf. Für die Region Braunschweig/ Wolfsburg sind die Strukturen des faschistischen „Aktionsbündnisses 38“ zu nennen. Es setzt sich aus der „Aktionsgruppe 38“ (Braunschweig), der Aktionsgruppe Wolfsburg (ehemals „Bürgerinitiative für Zivilcourage“) und der Aktionsgruppe Gifhorn zusammen. Sie nehmen regelmäßig an Aufmärschen teil, organisieren Veranstaltungen und sind an Übergriffen auf AntifaschistInnen beteiligt.

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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