Bericht: Klassenkämpferischer und antikapitalistischer Block am 1. Mai

Am 1. Mai 2013 beteiligten sich rund 500 Menschen am klassenkämpferischen und antikapitalistischen Block auf der Gewerkschaftsdemo in Hamburg. Mit zahlreichen Schildern, Transparenten und Redebeiträgen wurden eigene Akzente gesetzt und eine Kritik am sozialpartnerschaftlichen Kurs des DGB in die Demo getragen. Unter dem Motto „RISE UP! Für eine solidarische und klassenlose Gesellschaft“ hatte ein Bündnis verschiedener linker Gruppen dazu aufgerufen. Im Vorfeld fanden mehrere Veranstaltungen zu sozialen Kämpfen, den Möglichkeiten des Widerstands gegen Staat und Kapital und Ansätzen der Selbstermächtigung von Lohnabhängigen statt (www.rise-up.tk).

Der Block sammelte sich ab 10:30 Uhr am Rand der DGB-Kundgebung auf dem Spielbudenplatz. In mehreren Kurzbeiträgen wurde auf die autoritäre EU-Krisenpolitik und die Kämpfe in Südeuropa eingegangen. Auch eine Kritik an den sozialpartnerschaftlichen Positionen des DGB war Thema. Während sich nach und nach immer mehr Leute um den Lautsprecherwagen sammelten, folgte ein Redebeitrag zum Streik beim Verpackungsmittelhersteller Neupack, der die verfahrene Situation des Arbeitskampfs zum Inhalt hatte. Der Beitrag griff auch die Forderung der Streikenden nach einer selbstbestimmten Streikführung auf, die ihre Entscheidungen selber fällen und nicht allein den Gewerkschaftsfunktionären überlassen wollen. Eine weitere Rede kam von Aktivist_innen vom Refugee Strike aus Berlin und ging auf die aktuellen Flüchtlingsproteste gegen Residenzpflicht, Lager und Abschiebungen ein.

Kurz nach 11 Uhr setzte sich die DGB-Demo, die in diesem Jahr unter dem Slogan „Gute Arbeit. Sichere Rente. Soziales Europa“ stand, mit mehreren tausend Teilnehmer_innen in Bewegung. Der klassenkämpferische und antikapitalistische Block reihte sich im hinteren Teil der Demo ein und machte seinen eigenständigen Charakter deutlich. Auf diversen Schildern und Spruchblasen waren Sprüche wie „Klasse gegen Klasse“, „Kapitalismus heißt Krieg“ oder das Wort „Solidarität“ in verschiedenen Sprachen zu lesen. Auf der Demoroute, die durch St. Pauli und die angrenzende Neustadt über die Hafenstraße bis zum Fischmarkt führte, gab es weitere Redebeiträge. Eine Betriebsgruppe aus einem privatisierten Krankenhaus setzte sich mit den dortigen Arbeitsbedingungen auseinander und thematisierte die Frage von Gesundheit im Kapitalismus. Ein anderer Beitrag drehte sich um die miesen Arbeitsverhältnisse bei kirchlichen Trägern. Eine Besonderheit des diesjährigen 1.Mai war nämlich der zeitgleich stattfindende Kirchentag. Der DGB stellte ab 13 Uhr seine Bühne für eine Brückenveranstaltung von Kirchen und Gewerkschaften zur Verfügung.

Der Hauptredner der Abschlusskundgebung des DGB auf dem Fischmarkt war Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Er war vermutlich bereits vor Monaten eingeladen worden, um einen Sieg im Neupack-Streik zu verkünden. Der ist allerdings nicht in Sicht und die Gewerkschaft hat von der Forderung nach einem Tarifvertrag längst Abstand genommen. Viele der Streikenden sind äußerst unzufrieden mit der „Streiktaktik“ und werfen der IG BCE seit längerem vor, den Arbeitskampf abwürgen zu wollen. Die Rede von Vassiliadis wurde daher durch viele Zwischenrufe von Streikenden und Unterstützer_in begleitet. Direkt vor der DGB-Bühne wurde ein Transparent hochgehalten, auf dem „Suche: Klassenkämpferische Gewerkschaft. Biete: Sozialpartnerschaftliche IG BCE“ zu lesen war. „Klassenkampf statt Sozialpartnerschaft“ stand auf einem weiteren Transparent am Rand der Kundgebung. Die Reaktionen der anderen Gewerkschafter_innen waren gemischt. Während manche das Ganze als Störung empfanden, gab es von anderen Applaus und Zustimmung.

Insgesamt hat die Beteiligung an dem Block die Erwartungen der vorbereitenden Gruppen übertroffen. Es ist gelungen klassenkämpferische und antikapitalistische Inhalte in die Demo und Abschlusskundgebung zu tragen und dabei an vorhandene Basiskämpfe anzuknüpfen. Die Gewerkschaften müssen sich wohl daran gewöhnen, dass es eine wachsende Beteiligung aus der revolutionären Linken an der 1.Mai-Demo gibt und die zahmen Parolen des DGB nicht alles sind, was es am internationalen Kampftag der Arbeiter_innen zu hören gibt.

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

Das könnte auch interessant sein...