Lautstarke Demo angehender Erzieher_innen

oea7Am Dienstag den 11. September 2014 demonstrierten in Hamburg über 400 werdende Erzieher_innen, um auf ihre prekäre Lebenslage durch unbezahlte Ausbildung und schlechte Arbeitsbdingungen aufmerksam zu machen und ein Ausbildungsgehalt einzufordern. Sie zogen vom Jungfernstieg über die Mönckebergstraße zum Gewerkschaftshaus. Die Teilnehmer_innen riefen lautstark Parolen wie „Wenn ihr wollt das was passiert, geht das nur organisiert“ oder „Schluss mit unbezahlter Arbeit“. Unterstützt durch zahlreiche Trillerpfeifen war der Protestzug einer der lautesten den die Hamburger Innenstadt seit langem gesehen hatte. Es wurden Transparente mit Slogans wie „Sozial vor Kapital“ und „Geld jetzt, sonst Streik“ getragen.

Auffällig war, dass viele der Teilnehmer_innen sehr jung waren und in Gesprächen geäußert wurde, dass dies ihre erste Demonstration gewesen ist. Es hat sich gezeigt, dass auch in gewerkschaftlich eher schwach organisierten Bereichen (wie es der Bereich der auszubildenden Erzieher_innen ist) die Bereitschaft zu kämpfen groß ist. So waren von derzeit 3000 Auszubildenden über 400 auf der Straße.

Aufgerufen hatte die Gruppe „Organisierte Erzieher_innen in der Ausbildung (OEA)“. Diese setzt sich aus Auszubildenden aus allen Hamburger Fachschulen zusammen und begreift sich als eine selbstorganisierte Basisgruppe bzw. „Plattform“ welche neben ihrer Forderung nach einer Vergütung der Ausbildung auch weitere Interessen der Auszubildenden durchsetzen möchte. Aber auch zu anderen politischen Themen haben sich die angehenden Erzieher_innen klar positioniert. Dies wurde unter anderem deutlich durch die Unterstützung des „Refugee-Schulstreiks“ oder der Streikenden des öffentlichen Dienstes im März 2014.

Gewerkschaftsnah aber eben auch ganz klar unabhängig und selbstorganisiert, das ist der Anspruch der Organisierten Erzieher_innen in der Ausbildung. Also Menschen unabhängig von einer Gewerkschaftsmitgliedschaft zu politisieren und zu organisieren. So hat sich diese Gruppe aufgrund der Wut über die untragbaren Verhältnisse ihrer Ausbildung und ihrer Lebensumstände zusammengefunden. Erst dann sind die organisierten Erzieher_innen an die Gewerkschaft ver.di herangetreten, um Unterstützung zu erhalten.

Auch wenn es hier zunächst um soziale Zugeständnisse geht, ist die Form der Selbstorganisierung ein Zeichen von klassenkämpferischen Bewusstsein, welches den Rahmen des sozialpatnerschaftlichen Burgfrieden zu stören vermag. Man kann gespannt sein, was da noch kommt.

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PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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