Es gibt nichts geschenkt: Sozial- und Erziehungsberufe im Streik!

bild4Heute hat der unbefristete Streik der Sozial- und Erziehungsberufe begonnen. Bundesweit haben vor allem Erzieher_innen die Arbeit niedergelegt, allein in Hamburg sind über 220 Kitas geschlossen. Die Streikenden fordern eine grundlegende Aufwertung sozialer Berufe und eine bessere tarifliche Eingruppierung. Im Schnitt geht es um eine Lohnerhöhungen von 10 Prozent.

Der Streik der 240.000 Beschäftigten der kommunalen Träger hat auch unmittelbare Auswirkungen für die Arbeitskräfte bei privaten und kirchlichen Einrichtungen. Denn diese orientieren die Höhe ihrer Bezahlung für gewöhnlich an den kommunalen Trägern. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) wird versuchen, die Arbeitsniederlegungen auszusitzen. Denn der Streik trifft zunächst die Eltern und richtet kaum ökonomischen Schaden an. Deshalb muss es darum gehen, den Arbeitskampf zu einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu machen. Der wochenlange Arbeitskampf von 2009 hat gezeigt, dass Erzwingungsstreiks auch im Sozial- und Erziehungswesen möglich sind. Wenn der politische Druck auf die Kommunen wächst und Eltern ihr Geld von den Trägern zurückfordern und so ökonomischen Druck erzeugen, ist den Streikenden geholfen. Und wenn der Streik derart entschlossen geführt wird, dass seine Auswirkungen auch in anderen Betrieben zu spüren sind, weil Eltern nur noch eingeschränkt arbeiten können, steigt seine Aussicht auf Erfolg. Wie entschieden die Gewerkschaftsführungen von ver.di und GEW bereit sind die Auseinandersetzung zu führen, wird sich zeigen.

In jedem Fall bieten die Streikversammlungen, anstehende Demonstrationen und die öffentlichen Debatten die Chance über weitergehende gesellschaftliche Fragen ins Gespräch zu kommen: Was wird durch kommunale Haushalte bezahlt, unter welchen Bedingungen findet Lohnarbeit statt und welche Bedeutung messen wir sozialen Tätigkeiten bei? Dass etwa 95 Prozent der Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsberufen Frauen sind macht zudem deutlich, dass es sich auch um einen Kampf gegen die Abwertung weiblicher Arbeitskraft in einer patriarchalen-kapitalistischen Gesellschaft handelt.

Im Kapitalismus gibt es nichts geschenkt, jede Verbesserung wird erkämpft. Als revolutionäre Linke gilt unsere Solidarität den streikenden Kolleg_innen. Mit ihrem Arbeitskampf nehmen sie von der Konkurrenz am Arbeitsplatz Abstand und stellen die gemeinsamen Interessen als Lohnabhängige in den Vordergrund. Die gesammelten Erfahrungen und das wachsende Selbstbewusstsein in Arbeitskämpfen verbessern auch auf lange Sicht die betriebliche Konflikbereitschaft. Auch darum müssen wir sie unterstützen.

Solidarität mit den Streikenden – Etwas mehr ist nicht genug!

Kommende Termin:
Montag, 11.5.
ab 8 Uhr 30 Süderstr./Ecke Heidenkampsweg (S-Bahn Hammerbrook)
9 Uhr Kundgebung
9 Uhr 45 Demo zum Besenbinderhof
10 Uhr Treffpunkt Gewerkschaftshaus

Dienstag, 12.5.
ab 8 Uhr 30 Grüner Deich 17 (S-Bahn Hammerbrook)
9 Uhr Kundgebung
9 Uhr 45 Demo zum Besenbinderhof
10 Uhr 30 Treffpunkt Gewerkschaftshaus

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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