You will never strike alone!

Der Streik der Sozial- und Erziehungsberufe geht weiter. In Hamburg haben in dieser Woche Aktionen in Solidarität mit den Streikenden stattgefunden. Während der Arbeitskampf in den Kitas zunächst Eltern und Kinder trifft, soll so der politische Druck auf die Veranwortlichen erhöht werden. Neben den morgentlichen Streikdemos der Beschäftigten kommen immer mehr Eltern und solidarische Menschen zusammen, um gesellschaftliche Unterstützung für den Arbeitskampf zu organisieren.

So fand am 21. Mai ein Solidaritätsspaziergang in Wilhelmsburg statt. Rund 80 Eltern, Nachbar_innen und linke Aktivist_innen trafen sich am Nachmittag auf dem Stübenplatz. Nach einer Begrüßungsrede zogen sie gemeinsam durch den Stadtteil und verteilten Flugblätter und Plakate, die zur Unterstützung der Streikenden aufriefen. Vor mehreren Kitas brachten sie Aufsteller mit Solidaritätsbotschaften an die Beschäftigten an. Der Spaziergang endete mit weiteren Reden sowie Kaffee und Kuchen auf dem Stübenplatz. Vor Ort wurden Transparente und Sprechblasen angebracht und Verabredungen für eine Vernetzung von Eltern und weitere Aktionen getroffen.

Einen Tag später, am Vormittag des 22. Mai, fand eine etwas anders gelagerte Aktion statt. Etwa 250 Erzieher_innen, Eltern und Kinder zogen zum Rathaus und belagerten das Foyer durch ein öffentliches Picknick. Der politische Druck wurde so erhöht und der Protest zu den Verantwortlichen in der Stadt getragen. Neben der Thematisierung der schlechten Arbeitsbedingungen und Bezahlung von Erzieher_innen forderten sie gleichzeitig ein Ende des Streiks. So nachvollziehbar die Forderung der Eltern nach einer Beilegung des Streiks ist, so problematisch ist sie aktuell für die Streikenden. Allerdings richteten die Eltern ihre Wut an die richtige Adresse und haben so ihren Anteil an der – notwendigen – Zuspitzung des Konflikts beigetragen. Denn die betroffenen Eltern müssen den Druck an die Träger und Kommunen weitergeben, um den Streikenden zum Erfolg zu verhelfen.

Der Streik geht in der kommenden Woche unvermindert weiter und verspricht zu einem größeren gesellschaftlichen Konflikt zu werden, der vielfältige Fragen zu Bedingungen der Lohnarbeit aufwirft. Die Streikenden brauchen daher weiterhin unsere Solidariät, damit ihr Kampf von breiter öffentlicher Unterstützung getragen wird. Für die radikale Linke bietet sich hier die Möglichkeit in der Auseinandersetzung unterstützend einzugreifen und praktische Solidarität in dem laufenden Arbeitskampf zu organisieren. Die Debatten über (soziale) Arbeit im Kapitalismus, die Abwertung weiblicher Arbeitskraft und Kritik an den herrschenden Formen der Reproduktionsarbeit kann so mit dem konkreten Kampf verknüpft werden.

Die Sozial- und Erziehungsdienste sind seit dem 8. Mai im unbefristeten Streik. Insbesondere in kommunalen Kitas wird die Arbeit niedergelegt, aber auch in Einrichtungen der Behinderten-, Kinder- und Jugendhilfe. Die Gewerkschaften ver.di, GEW und dbb fordern eine grundlegende Aufwertung sozialer Berufe durch eine neue tarifliche Eingruppierung der Beschäftigten. Im Durchschnitt würde dies eine Lohnerhöhung von 10 Prozent bedeuten. Der Verband der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) hat bislang kein ernsthaftes Verhandlungsangebot vorgelegt.

Am Donnerstag, dem 28.05.2015, ist eine norddeutschlandweite Streikdemonstration in Hamburg geplant. Die Demo startet um 9 Uhr und soll durch die City führen.

Alle (kurzfristigen) Ankündigungen für Solidaritätsaktionen findet ihr bei twitter: www.twitter.com/prp_hamburg

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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