Auf den Spuren von Frauen*kämpfen in Hamburg

Feministischer Stadtspaziergang, veranstaltet von queerfem AG der IL und Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP).

Anlässlich des diesjährigen 8. März haben wir uns am Samstag, den 11. März 2017, auf die Spuren von Frauen*kämpfen in Hamburg begeben. Unser Feministischer Stadtspaziergang führte uns mit mehr als 150 weiteren Teilnehmer*innen und begleitet von den ersten Frühlingssonnenstrahlen durch die Hamburger Innenstadt. Los ging es am Besenbinderhof, wo gewerkschaftlich organisierte Krankenpflegerinnen mit einer szenischen Darstellung über ihren Arbeitsalltag und ihren geplanten Arbeitskampf berichteten.


Bevor wir St. Georg verließen, sprach die Leiterin von Ragazza e.V. über die Situation von Sexarbeiter*innen im Stadtteil und erläuterte, welche Probleme sie aufgrund des geplanten sogenannten Prostituiertenschutzgesetzes befürchtet.
Auf dem Weg zu unsererem nächsten Halt konnten wir ein Geschäft nicht unkommentiert lassen: der Tee- und Kaffeladen mit dem kolonialverherrlichenden Namen „Compagnie Coloniale“ kassierte das anschaulich illustrierte Prädikat „Rassistische Kackscheisse“, bevor wir unseren Spaziergang in Richtung Afrikahaus fortsetzten.
Dort sitzt seit 1899 das Unternehmen C. Woermann, deren Geschäfte nicht nur aufgrund der deutschen Kolonialverbrechen florierten, sondern die u.a. auch das Land der Douala in Kamerun enteigneten. Dass der kolonialen Vergangenheit an diesem geschichtsträchtigen Ort bis heute nicht gedacht wird, nahmen wir zum Anlass, die antikoloniale Aktivistin Emily Manga Bell vorzustellen und ihr zu gedenken. Als Königin der Douala kämpfte sie zusammen mit ihrem Ehemann zeit ihres Lebens gegen die deutsche Kolonialherrschaft.
Während wir zur nächsten historischen Station liefen, verschönerten wir im Vorbeigehen noch das Büro der AfD-Bürgerschaftsfraktion mit einem weiteren Kackhaufen.
Vor dem Hamburger Rathaus ging es dann um die Antifaschistin Magda Langhans, die unter anderem in der Hamburger Bürgerschaft für Frauenrechte kämpfte. Wir hörten eine Rede, die sie vor 70 Jahren über den §218 hielt. Ein kurzer Einblick in ihr Leben und die Geschichte des Abtreibungsparagrafen illustrierte die Aktualität des Kampfes um das Recht auf Selbstbestimmung und gegen den §218. Mit einer symbolischen Straßenumbenennung rundeten wir diese Station ab.
Am Jungfernstieg wurden wir von Donald Trump, Frauke Petry und Marine LePen mit einem Transparent und Sprechchören empfangen, die jedoch von einer mutigen Teilnehmerin schnell in ihre Schranken gewiesen wurden. Die Verwirrung, die Verkleidung und Masken ausgelöst hatten, wurde kurz darauf mithilfe eines Redebeitrags zum Thema Antifeminismus von Rechts aufgelöst und der Spaziergang zog weiter Richtung Dammtor.


Dort hat sich die feministische Organisierung gegen G20 vorgestellt. Im Format „1, 2-oder-3“ wurden uns einige Fakten zur weltweiten Situation von Frauen auf spielerische Weise vermittelt.
Vor unserem vorletzten Halt gingen wir ohne Musik weiter, um mit Ruhe anzukommen am Platz der jüdischen Deportierten und dort der Menschen zu gedenken, die dem Faschismus zum Opfer gefallen sind. Wer wollte, konnte eine Blume ablegen…
Eine Poetry Slammerin schloss den feministischen Stadtspaziergang ab, mit einem Text über Alltagssexismus und beschissene Erfahrungen, die Frau* leider macht.
Wir bedanken uns hier nochmal bei allen, die uns unterstützt haben, sich eingebracht haben und mitgelaufen sind! Wir freuen uns über eine gelungene Premiere und auf hoffentlich noch viele folgende Aktionen, bei denen all jene Gehör finden, die dieses Mal in der Auswahl unserer Themen leider untergegangen sind.

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

Das könnte auch interessant sein...