Jeder Tag ist Frauen*kampftag – solidarisch, kämpferisch, international!

Seit über 100 Jahren gehen Frauen* am 8. März auf die Straße, um für ihre Rechte, gegen sexistische Diskriminierung, gegen Kriege und gegen die unerträglichen Zumutungen patriarchaler, kapitalistischer und rassistischer Unterdrückung und Ausbeutung zu kämpfen. Im Verlauf der Geschichte haben sich die Forderungen von Frauen* immer wieder erweitert und verändert: Der Internationale Frauen*tag entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen* und die Emanzipation von Arbeiter*innen. Der international(istisch)e Charakter dieses Protesttages wurde immer bedeutsamer. Die unterschiedlichen Bedingungen von Frauen* und ihre spezifischen Kämpfe erweitern immer mehr das Bewusstsein über unterschiedliche Schwerpunkte, aber auch über die Gemeinsamkeit unserer Kämpfe.

Auch wenn wir schon einiges erreicht haben, gibt es heute für uns viele Gründe, gegen die herrschenden Zustände zu kämpfen: für unser Recht auf Unversehrtheit, für unsere Würde, für Respekt, für körperliche und sexuelle Selbstbestimmung sowie die Selbstbestimmung der geschlechtlichen Identität und für das Recht frei und selbstbestimmt zu leben.

Nur wenn es uns gelingt, gemeinsam diese Verhältnisse aufzubrechen und dafür zu sorgen, dass ein anderes, ein freies Leben für alle möglich ist, erst dann wird für uns der 8. März ein Feiertag! Bis es soweit ist, rufen wir euch auf, jeden Tag zum Internationalen Frauen*kampftag zu machen!

Wir sind ein Bündnis unterschiedlicher Gruppen und Einzelpersonen, die jeweils ihre feministischen Ansätze und aktuellen Themen am 8. März mit einer breiten und kraftvollen Frauen*-, Lesben-, Trans*- und Inter*-Demonstration auf die Straße tragen werden. Und natürlich sind Trans*-Männer und nichtbinäre Personen herzlich willkommen!

Es lebe der 8. März!

Frauen*-, Lesben-, Trans*- und Inter-Demo (FLTI*-Demo) am 8. März
Auftaktkundgebung: 17.30 Uhr | Gänsemarkt

 

Gemeinsam mit Revolutionäre Perspektive Berlin haben wir einen Aufruf zu den 8. März-Demos in Berlin und Hamburg veröffentlicht:

Fight Sexism – Smash the Patriarchy

Frauen* kämpfen international gegen Sexismus, Rassismus und Kapital

Wir rufen zur Beteiligung an den Demonstrationen zum 8. März, dem internationalen Frauen*kampftag, auf, denn die gesellschaftlichen Strukturen sind nach wie vor patriarchal. Selbst die erkämpften Fortschritte in Bezug auf die rechtliche Situation von Frauen* werden aktuell vermehrt angegriffen. Es existiert immer noch eine geschlechtshierarchische Arbeitsteilung. Frauen* verdienen in der BRD 21 Prozent weniger als Männer*. Berufe, in denen vor allem Frauen arbeiten wie zum Beispiel in der Kinderbetreuung oder Altenpflege, werden schlecht bezahlt. Frauen* arbeiten zudem häufiger in Teilzeit, um Zeit für Hausarbeit und Kinderbetreuung zu haben. Frauen* sind deshalb stärker von Armut betroffen als Männer*. Sie übernehmen in der Familie und in Beziehungen nach wie vor den größeren Anteil von Haus- und Sorgearbeit.

My body my choice

Trotz jahrzehntelanger Kämpfe der Frauenbewegung sind die Paragraphen 218 und 219 noch immer nicht aus dem Strafgesetzbuch gestrichen worden. Schwangerschaftsabbrüche sind in der BRD immer noch illegal und nur unter bestimmten Voraussetzungen straffrei. Vor einem Schwangerschaftsabbruch ist eine diskriminierende Beratungsprozedur verpflichtend. Damit greift der Staat in das Recht von Frauen* auf Selbstbestimmung über ihren Körper ein. Da der Schwangerschaftsabbruch nicht von den Krankenkassen gezahlt wird, ist die Zugänglichkeit für Frauen* mit geringen finanziellen Möglichkeiten zudem erschwert. Auch das »Werben für Schwangerschaftsabbrüche« wird kriminalisiert. Weil sie auf ihrer Webseite Informationen über den Schwangerschaftsabbruch bereitstellt, wurde die Ärztin Kristina Hänel aus Gießen Ende November 2017 nach §219a zu 6000 Euro Strafe verurteilt.

Yes means yes and no means no!

Ein weiterer Ausdruck des Patriachats ist die sexualisierte Gewalt gegen Frauen*. Die Gewalt wird überwiegend durch Partner oder Expartner und im häuslichen Bereich verübt. 35 Prozent der Frauen* in der BRD haben seit ihrem 15. Lebensjahr mindestens einmal sexualisierte oder körperliche Gewalt erlebt. Die Gesellschaft ist von einer Rape Culture geprägt, die Vergewaltigungen verharmlost, vertuscht und in der Frauen* als Objekte betrachtet werden, die zur Befriedigung männlicher Bedürfnisse da sind.

Unser Feminismus ist antirassistisch

Immer wieder werden feministische Anliegen wie der Kampf gegen sexualisierte Gewalt instrumentalisiert, um rassistische und nationalistische Hetze gegen Geflüchtete und Migrant*innen zu betreiben. Insbesondere nach den sexualisierten Übergriffen in der Silvesternacht in Köln 2015 wurde von der AfD bis zu Alice Schwarzer ein strukturelles Problem auf eine Personengruppe projiziert. Mitte Februar 2018 hat das AfD-Mitglied Leyla Bilge einen rassistischen Aufmarsch durch Berlin-Kreuzberg organisiert, der von Tausenden blockiert wurde. Der rechte »Marsch der Frauen« richtete sich gegen »die Flüchtlingspolitik der Altparteien«. Im rassistischen Weltbild von Bilge und Co sind die Täter »illegal eingereiste Kriminelle« und die Opfer deutsche Frauen. Sexismus und sexualisierte Gewalt werden aber nicht von außen in die Gesellschaft hineingetragen, sondern sind strukturell in der patriarchalen Gesellschaft verankert.

Antifeminismus und Rassismus bekämpfen

Global findet seit Jahren ein Rechtsruck statt, sei es der Front National in Frankreich, die Partei »Recht und Gerechtigkeit« (PiS) in Polen oder die AfD hierzulande. Antifeminismus und Rassismus sind zentrale Ideologien dieser reaktionären Bewegungen. Die AfD steht für ein christlich-konservatives und völkisches Geschlechter- und Familienbild. Sie sieht die patriarchale Kleinfamilie als Keimzelle eines starken Nationalstaats an. Quotenregelungen, Frauenbeauftragte und das Lehren von Gender Studies an den Universitäten will sie abschaffen.

Feminists united will never be defeated!

Gegen die patriarchalen Zustände regt sich weltweit Widerstand. Die Bewegung »Ni Una Menos“ – Nicht eine Weniger – ist 2015 in Argentinien entstanden. In vielen Ländern Lateinamerikas und auch in Europa finden unter diesem Motto Streiks und Demonstrationen gegen die Feminizide, für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und gegen das patriarchale System als Ganzes statt.

Im Herbst 2016 gingen in Polen Tausende Frauen* für das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper auf die Straße. Anlass war ein von der PiS vorgelegter Gesetzesentwurf, der das Recht auf Schwangerschaftsabbruch komplett verbieten sollte. Jeder Schwangerschaftsabbruch sollte mit einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren geahndet werden. Die Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch sind allerdings auch bisher schon reaktionär.

In Rojava – den kurdischen Gebieten in Syrien – spielt die Frauen*bewegung eine zentrale Rolle. Es wurden Frauen*räte und Frauen*akademien gebildet, um die Interessen der Frauen* durchzusetzen und für das Ziel einer geschlechterbefreiten Gesellschaft zu kämpfen. In den gemischtgeschlechtlichen Strukturen gibt es auf allen Ebenen eine Doppelspitze, bestehend aus einer Frau* und einem Mann*. Die Frauenverteidigungseinheiten YPJ spielen eine wichtige Rolle bei der militärischen Verteidigung der Revolution, die aktuell in Afrin massiv von der türkischen Armee angegriffen wird.

For a feminist revolution

Die Perspektive eines radikalen feministischen Kampfes ist eine tiefgreifende Revolution aller Aspekte der patriarchalen Geschlechterverhältnisse, das heißt eine Überwindung der geschlechtshierarchischen Arbeitsteilung, die Beseitigung sexualisierter Gewalt und das Ende von Heterosexismus und männlicher Dominanz in allen gesellschaftlichen Bereichen. Als Kommunist*innen wollen wir die verschiedenen Kämpfe gegen Patriarchat, Klassenherrschaft und Rassismus aufeinander beziehen, damit sie sich gegenseitig verstärken können, ohne aber den einen Kampf dem anderen unterzuordnen. Wir teilen die Perspektive der Gruppe von schwarzen Feministinnen des »Combahee River Collective« aus dem Jahr 1977: »Wir glauben jedoch nicht, dass eine sozialistische Revolution unsere Befreiung garantieren kann, wenn sie nicht gleichzeitig eine feministische und antirassistische Revolution ist«.

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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