Lampedusa in Hamburg

Schätzungsweise über 250 Flüchtlinge aus Libyen sind gezwungen auf Hamburgs Straßen zu leben. Die Winternotunterkünfte, in denen viele eine Zeit lang unterkamen, wurden in den letzten Wochen geschlossen. Ein Versuch, gemeinsam mit Unterstützer_innen ein Protestcamp als Notunterkunft zu errichten, wurde durch die Stadt untersagt und durch die Polizei unterbunden. Lediglich ein provisorisches Informationszelt am Hauptbahnhof, was als Anlaufpunkt und zur Diskussion des weiteren Vorgehens genutzt wird, ist gestattet worden. Bei anhaltender Kälte und Nässe wird die gesundheitliche Situation vieler Flüchtlinge von Tag zu Tag problematischer, mehrere mussten bereits in ärztliche Behandlung. Die politisch Verantwortlichen der Stadt Hamburg verweigern jedes Gespräch und die Suche nach vernünftigen Lösungen. Mit öffentlichen Aktionen macht die Gruppe „Lampedusa in Hamburg“ auf die menschenunwürdige Situation aufmerksam, bemüht sich um Unterbringung und Versorgung und organisiert eine breite Unterstützung für den Kampf der Flüchtlinge.

Zu den Hintergründen: In Folge des NATO-Krieges in Libyen flohen tausende Menschen über das Mittelmeer nach Italien. Wer die lebensgefährliche Überfahrt überstand wurde in Italien aus humanitären Gründen als Flüchtling anerkannt. Ein Abkommen innerhalb der EU sorgte zunächst dafür, dass Italien finanzielle Unterstützung bekam, um das europäische Grenzregime aufrecht zu erhalten. Als die EU-Finanzierung für Kriegsflüchtlinge aus Libyen eingestellt wurde, versuchten die italienischen Behörden die Flüchtlinge – die in Lagern unter katastrophalen Bedingungen lebten – möglichst schnell wieder loszuwerden. Sie stellten kurzerhand Papiere aus, die legale Reisen innerhalb der Schengen-Staaten erlauben, ansonsten aber weder eine Arbeitserlaubnis noch ein Recht auf medizinische oder soziale Unterstützung bedeuten. Vielen wurde geraten nach Zentraleuropa weiter zu reisen und sie erhielten zu diesem Zweck Geld der italienischen Behörden.

Die Ungereimtheiten der europäischen Regierungen werden auf Kosten der libyschen Flüchtlinge ausgetragen. Die Staaten entziehen sich der Verantwortung für die Situation der Flüchtlinge und für einen Krieg, in den sie selbst involviert waren. Umso wichtiger jetzt solidarisch zu sein und den Kampf der Flüchtlinge zu unterstützen: Für eine vernünftige Unterbringung, gegen das Lagersystem und alle rassistischen Sondergesetze, gegen Abschiebungen!

Aktuelle Infos und Ankündigungen für Protestaktionen findet ihr auf der Seite „Lampedusa in Hamburg“: www.lampedusa-in-hamburg.tk

Es werden dringend Spenden benötigt!
Überweisungen bitte mit Stichwort “Hamburg” an folgendes Konto:

Förderverein Karawane e.V.
Kontonummer: 40 30 780 800
GLS Gemeinschaftsbank eG
BLZ: 430 609 67

Sachspenden
Das Protestcamp wurde vorerst verhindert. Da wenig Lagermöglichkeit besteht können wir momentan keine Sachspenden entgegennehmen. Trotzdem werden eure Sachen dringend benötigt sobald ein Camp aufgebaut wird. Wenn ihr Schlafsäcke, Matratzen, Zelte etc. habt, dann schreibt bitte an soli-lamp@web.de, wir benachrichtigen euch dann per E-mail sobald der Aufbau eines Camps beginnt und wir eure Sachen entgegennehmen können.

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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