1. Mai 2019: Klassenkampf. Jetzt aber richtig!

Plakat

In diesem Jahr wird wieder zu einem klassenkämpferischen und antikapitalistischen Block auf der 1. Mai-Demo der Gewerkschaften mobilisiert. Dem handzahmen Motto der DGB-Führung „Europa. Jetzt aber richtig!“ wird die Kritik an der Sozialpartnerschaft, eine Perspektive der Selbstorganisierung und das Ziel der Überwindung des Kapitalismus entgegengestellt.

Aufruf: 

KLASSENKAMPF. JETZT ABER RICHTIG!
Für eine solidarische und klassenlose Gesellschaft!

Plötzlich sprechen die Politik und Teile der Medien wieder über die soziale Frage. Sie können nicht länger ignorieren, dass die Schere zwischen Arm und Reich in den vergangenen Jahrzehnten weit auseinandergegangen ist, dass Mieten in den Großstädten für viele unbezahlbar geworden sind, die Altersarmut selbst in Deutschland zunimmt und Millionen Menschen keinerlei Aussicht auf eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder haben. Und doch sind die Rezepte selbst der linkeren Parteien und der Gewerkschaften nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch wenn der Ruf nach Umverteilung nach jahrzehntelangem wirtschaftspolitischen Rechtsruck für viele nach Sozialismus klingt, können wir uns nicht mit einer „gerechteren“ Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums zufriedengeben.

Wir müssen die Ursache für Armut, Not und Elend bekämpfen – den Kapitalismus, seine Profitorientierung, die Ausbeutung und Unterdrückung weiter Teile der Gesellschaft. Diesem Ziel kommen wir nicht näher, wenn wir uns sozialpartnerschaftlich an die Seite der Bosse stellen. Die Interessen des Kapitals stehen unseren diametral gegenüber. Deshalb kann es im Kapitalismus keine „Gute Arbeit“ geben, für welche die DGB-Führung seit Jahren eifrig trommelt. Unter kapitalistischen Bedingungen dient Arbeit dazu, den Reichtum für wenige, nicht für alle zu vermehren. Die Produktions- und Reproduktionstätigkeiten sind nie gerecht verteilt und die Bedürfnisse der Menschen nur Mittel zum Zweck.

Arbeit im Kapitalismus beruht immer auf Ausbeutung und Unterdrückung, sie bedeutet den permanenten Zwang die eigene Arbeitskraft auf den Markt zu tragen, um mit dem Lohn oder Gehalt die eigene Existenz zu sichern. Was, wann und zu welchen Bedingungen gearbeitet wird, entscheidet die Kapitalseite in der Regel allein. Und die Zuspitzung der Konkurrenz zwischen Arbeiter*innen ist eine ihrer Geschäftsgrundlagen. Neben der allgemeinen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt werden Lohnabhängige nach Standort, Geschlecht, Herkunft und vielem mehr gegeneinander ausgespielt. Solange es Kapitalismus gibt, wird es auch rassistische und sexistische Grenzziehungen geben. Appelle für eine „tolerante Gesellschaft“ bleiben daher hilflos, wenn sie den grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Kapitalismus, Rassismus und Patriarchat ignorieren. Unsere Antwort darauf ist es, den Klassenkampf von Anfang an als antirassistisch und feministisch zu begreifen.

Mit dem klassenkämpferischen und antikapitalistischen Block auf der DGB-Demonstration am 1. Mai stehen wir an der Seite aller Antifaschist*innen, die vonseiten der Rechten diffamiert werden oder als Gewerkschafter*innen in den Betrieben den Rechtsruck zu spüren bekommen. Wir stehen an der Seite der Pflegekräfte, die sich für mehr Personal in den Krankenhäusern, bessere Arbeitsbedingungen und ein bedürfnisorientiertes Gesundheitswesen organisieren. Wir stehen an der Seite der beeindruckenden Proteste der Friday-for-Future-Bewegung. Die Kinder und Jugendlichen haben verstanden, was die Verantwortlichen nicht kapieren wollen: Der Klimawandel kann nicht gestoppt werden, wenn wir nicht dieses Wirtschaftssystem abschaffen. Wir stehen an der Seite der feministischen Kämpfe, die am 8. März gezeigt haben, dass auch die Haus- und Sorgearbeit bestreikt werden kann. Und wir stehen an der Seite von Mieter*innen, die sich für ein Recht auf Stadt einsetzen, gegen die ständigen Mietsteigerungen aktiv werden und dabei auch die Frage nach Enteignung wieder auf die Tagesordnung gesetzt haben. Wir stehen an der Seite derjenigen, die Widerstand leisten gegen den alltäglichen Wahnsinn des globalen Kapitalismus – ob sie streiken, Werkstore blockieren, Häuser besetzen oder gelbe Westen tragen.

Der 1. Mai ist kein Würstchenbuden-Fest, auf dem sich einmal im Jahr die Gewerkschaftsfunktionäre mit ihren Untergebenen austauschen. Der 1. Mai ist der Kampftag der globalen Arbeiter*innenklasse. Wir streiten für eine konflikt- und basisorientierte Gewerkschaftsarbeit, die der Sozialpartnerschaft mit dem Kapital ein Ende setzt. Unsere Perspektive liegt in der Selbstorganisierung von unten, den unzähligen kleinen und großen Kämpfen gegen die Zumutungen des Kapitalismus. Nur wenn wir uns im Stadtteil, in Schule und Uni, im Betrieb und an allen anderen Orten unseres Lebens organisieren und Gegenmacht aufbauen, haben wir die historische Möglichkeit eine andere Gesellschaft zu schaffen.

Die Abschaffung des Kapitalismus und der Aufbau einer solidarischen und klassenlosen Gesellschaft ist unser Ziel. Für eine Zukunft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Für eine Welt, die eine Zukunft hat.

1. Mai 2019 | 10:30 Uhr | Bahnhof Dammtor

Interventionistische Linke Hamburg & Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP)

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

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