Linke Klassenpolitik – Wie kämpfen im Job und Stadtteil?

Linke diskutieren wieder intensiv über Eigentums- und Klassenverhältnisse. Im Mittelpunkt dieser Debatte über eine neue Klassenpolitik steht die Frage, wie linke Ansätze aussehen, die die Interessen der Lohnabhängigen aufgreifen und sie gleichzeitig mit antirassistischen und feministischen Kämpfen verbinden. Die Veranstaltungsreihe holt die Debatte vom Schreibtisch zurück in die Praxis. In fünf Podiumsdiskussionen geht es um die Fragen: Wie sehen existierende Formen linker Betriebs- und Stadtteilarbeit aus? Welche Erfahrungen haben Aktive vor Ort gemacht? Wie können Linke ihre eigenen Arbeits- und Lebensverhältnisse politisieren und zum Ausgangspunkt von Kämpfen machen?

Mittwoch – 22. Mai 2019 – 20 Uhr – Centro Sociale
Should I Stay Or Should I Go?
Gewerkschaften zwischen Sozialpartnerschaft und realen Arbeitskämpfen
In ritualisierten Tarifrunden klopfen die DGB-Gewerkschaften gerne große Sprüche. Ansonsten sind sie nicht gerade für eine kämpferische Betriebspolitik bekannt – statt Klassenkämpfe zu führen, befrieden sie Konflikte. Dennoch sind es die großen Gewerkschaften, die nach wie vor relevante Teile der Lohnabhängigen organisieren. Wie lässt sich der Gewerkschaftsapparat aus linker Perspektive einschätzen, welche gesellschaftliche Funktion erfüllen er? Kann innerhalb der Gewerkschaften die Selbstorganisierung der Lohnabhängigen gestärkt werden? Wie können wir wieder Kämpfe am Arbeitsplatz gewinnen, die eigene Macht erfahrbar machen und gleichzeitig über den Kapitalismus hinausweisen? Oder brauchen wir gänzlich andere oder am Ende sogar keine Gewerkschaften?

Mit Christian Frings (Autor und Übersetzer) und Nelli Tügel (Journalistin)

Mittwoch – 29. Mai 2019 – 20 Uhr – Centro Sociale
Manic Monday
Selbstorganisierung am Arbeitsplatz und Streikunterstützung
Während wir uns in der Freizeit wie selbstverständlich politisch engagieren, fällt uns das am eigenen Arbeitsplatz oft schwer. Wir vernetzen uns nicht mit unseren Kolleg*innen, kuschen vor dem Chef und bleiben trotz aller Zumutungen und Zurichtungen passiv. Wie können wir diesen Zustand überwinden? Wie gelingt es uns, aus den abstrakten Diskussionen über Klassenpolitik eine Praxis zu entwickeln? Wie können wir es schaffen, uns am Arbeitsplatz zu organisieren? Wie können wir Arbeitskämpfe von außen unterstützen?

Mit Aktiven von Amazon, der Mittelbau-Initiative der Universität Hamburg und des Hamburger Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus

Sonntag – 02. Juni 2019 – 20 Uhr – Rote Flora
Papa Don´t Preach
Feminismus als neue Klassenpolitik?
Seit einiger Zeit wird am 8. März, dem Internationalen Frauenkampftag, nicht mehr nur demonstriert – sondern gestreikt. In Deutschland haben sich dieses Jahr Zehntausende an den feministischen Streiks beteiligt, in Spanien und anderen Ländern waren es sogar einige Millionen. „Frau*-Sein“ wird im Rahmen dieser Streiks begriffen als konkrete Arbeitskategorie in der Reproduktions- und Produktionssphäre der Klassengesellschaft. Dadurch wird nicht nur der sexistische Alltag politisiert. Sondern auch eine klassenkämpferische Grundlage geschaffen für solidarische Organisierung: Eine international agierende und berufsabhängige Bewegung, die das Patriarchat aus den Angeln heben will. Welche Rolle spielen Geschlechterverhältnisse für den Kapitalismus? Wie bewerten wir die zurückliegenden Streiks vom 8. März? Welche politische Perspektive hat diese Form der Organisierung?

Mit Aktivist*innen des Hamburger 8. März-Streikbündnis

Dienstag – 11. Juni 2019 – 20 Uhr – Centro Sociale
We Built This City
Strategien im Kampf um Wohnraum
Steigende Mieten und die Verdrängung an die Ränder der Stadt zählen zu den zentralen Auseinandersetzungen unserer Zeit. Der Bau von mehr Sozialwohnungen, Mietpreisbremse oder Zweidritteilmix – die realpolitischen Ansätze bewirken kaum etwas. Immobilienbesitzer*innen machen sich weiterhin die Stadt zur Beute und heimsen gigantische Profite auf dem Wohnungsmarkt ein. Doch vielerorts haben sich auch Mieter*innen und solidarische Nachbarschaften zusammengeschlossen. Sie politisieren die Wohnungsfrage, suchen kollektive Lösungen gegen Mietsteigerungen und haben sogar die Frage nach Enteignung von Wohnungskonzernen wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Was können wir aus diesen Bewegungen lernen? Wie lassen sich verschiedene Kämpfe im Stadtteil verbinden? Wie kann sich die Stadt von unten organisieren?

Mit Siggi (Deutsche Wohnen & Co enteignen), Solidarisch in Gröpelingen (angefragt) und Holger Marcks (FAU)

Dienstag – 18. Juni 2019 – 20 Uhr – Centro Sociale
I Wanna Dance With Somebody
Organizing als Methode der Betriebs- und Stadtteilarbeit
In unserem Job und Privatleben gibt es viele Situationen, in denen wir uns ohnmächtig fühlen: Unsere Chefin rückt nicht mir der Kohle raus, unser Vermieter lässt unsere Wohnung verschimmeln oder das JobCenter hört nicht auf uns zu gängeln. Wie schaffen wir es, nicht mehr länger nur zuzuschauen, wie Politik und Kapital unsere Leben verwalten und planen? Ein Weg zur kollektiven Selbstermächtigung nennt sich Organizing: Eine Form der Organisationsarbeit, die Menschen zusammenbringt und dabei unterstützt, handlungsmächtig zu werden. Denn: 100 Organisierte bewirken mehr als eine*r alleine. Aber was ist das für ein Konzept? Welche Methoden stehen dahinter? Was unterscheidet Stadtteil- vom gewerkschaftlichen Organizing?

Mit N.N. (Hamburger Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus), Steffen Jörg (GWA St. Pauli) und Anda Nicolae-Vladu (Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg)

Veranstaltet von: Netzwerk Klassenkämpfe
[FAU Hamburg, Gruppe für den organisierten Widerspruch (grow), Interventionistische Linke (iL) Hamburg, Jour Fixe der Gewerkschaftslinken, Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP)]

klassenkaempfe.noblogs.org

PRP

Das Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP) wurde Anfang 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken. Die Erfahrungen der Mitglieder reichen in die autonome und antifaschistische Bewegung sowie in die antirassistische und internationalistische Arbeit hinein. Wir haben uns gemeinsam organisiert und versuchen, mit praktischen Aktionen gesellschaftliche Widersprüche aufzugreifen, für eine revolutionäre Perspektive einzutreten und Alternativen zum gegenwärtigen kapitalistischen System aufzuzeigen.

Das könnte Dich auch interessieren...