Der Rote Abend

Selbstorganisierung, Widerstand und Repression in Giambellino

2014 gründet sich im Arbeiter*innenviertel Giambellino in Mailand das Nachbarschaftskomitee ‚Comitato Abitanti Giambellino-Lorenteggio‘. Kollektiv und selbstorganisiert werden leerstehende und dem Verfall überlassene Sozialbauwohnungen im Viertel besetzt und Zwangsräumungen verhindert. Mit solidarischen Projekten wie Nachhilfeunterricht, Kantinen und Sportvereinen wird versucht der sozialen Zurichtung entgegenzuwirken und gemeinsam eine kämpferische Perspektive zu entwickeln.

Keine fünf Jahre nach der Gründung wird am 13.12.2018 durch die Carabinieri eine Razzia gegen das Nachbarschaftskomitee in Giambellino durchgeführt. Der Vorwurf lautet: „Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Zweck der organisierten Besetzung“. Acht Genoss*innen befinden sich über mehrere Monate unter strengen Auflagen unter Hausarrest, gegen 75 weitere Aktivist*innen laufen Ermittlungsverfahren. Der Prozess gegen die 8 Genoss*innen wurde nun im vergangenen April eröffnet. Angesichts des Rechtsrucks und der anhaltenden ökonomischen Krise in Italien bekommt diese Form der Repression einen noch bittereren Beigeschmack.

In der Veranstaltung wird das Malaboca Kollektiv aus Frankfurt am Main, das sich länger in Mailand aufhielt, über ihre Begegnungen und strategischen Reflexionen mit dem Nachbarschaftskomitee sowie über die aktuellen Entwicklungen berichten. Vor dem Hintergrund der politischen Erfahrungen der Genoss*innen aus Mailand wollen wir auch die Frage nach der Perspektive solidarischer und linker Organisierung diskutieren.

Freitag | 05. Juli 2019 | ab 19h geöffnet, 20h Beginn | Rote Flora | Achidi-John-Platz 1